Das perfekte Album für die Selbstquarantäne ist heute erschienen. Dua Lipa präsentiert ihr „Future Nostalgie“ eine Woche früher, als geplant und bringt uns alle etwas Leichtigkeit in den Alltag.

Im Januar 2016 stellte ich euch Dua Lipa das erste Mal auf Hollywood Tramp vor. Damals betitelte ich sie als potentielle, neue Pop-Prinzessin. Ihr Debütalbum 2017 etablierte sie und ihre rauchige Stimme als Hitgaranten. Schnell stand Dua Lipa neben ihren großen weiblichen Kolleginnen auf einer Bühne und überholte im Eiltempo. Sie ist nicht explodiert, wie Billie Eilish. Nein, sie ist im schnellen Tempo stetig gewachsen und genau das zeigt sich auf der neuen Platte „Future Nostalgia“.

DUA LIPA GROOVT WEITER IM MUSIKVIDEO ZU „BREAK MY HEART“!

Fahrt durch einen nostalgischen Jahrmarkt

„Future Nostalgia“ ist eine atemberaubende Fahrt durch einen nostalgischen Jahrmarkt im Hier und Jetzt. Es ist ein sehr mutiger Versuch, sich in 2019/2020 an den alten Disco- und 80er-Sound zu wagen. Zuletzt hat das vielleicht Madonna mit ihrem Disco-Dance-Album „Confessions On A Dancefloor“ in 2005 überdurchschnittlich erfolgreich geschafft. Doch Dua Lipa steht dem im nichts nach.

„Don´t Start Now“ hat den Geist des Albums sehr schön vorgegeben. „Hallucinate“ ist eine wunderschöne House-Euphorie und währe ein toller Song für Kylie Minogue gewesen. Bei „Break My Heart“ baut sie den Klassiker „Need You Tonight“ von INXS gekonnt ein und verbindet die späten 70er mit den frühen 80er. „Cool“ hat absolutes Potential für die nächste Single, liegt aber etwas ungünstig zwischen „Don’t Start Now“ und „Physical“ auf dem Album.

Das Album hat auch seine Schwächen

„Future Nostalgia“ ist ein fast perfektes Pop Album für 2020, wären da nicht die beiden letzten Songs „Good In Bed“ und „Boys Will Be Boys“. „Good In Bed“ hat zwar die kindliche Verspieltheit einer Lily Allen, aber hat auch einen sehr nervigen Refrain, bei dem man nicht weiß, ob er Spaß machen soll oder anstrengend ist. „Boys Will Be Boys“ fehlt hingegen die Wärme des restlichen Albums und ist generell kein schöner Abschluss für dieses so starke Album.

Es ist schon unglaublich, wie frei von Druck sich dieses optimistische Album anhört. Wenn man das Rezept zusammensetzten müsste, würde man wohl etwas Daft Punk nehmen, es mit etwas Robyn, Chic und Donna Summer an mischen. Während der Sound durchgehend funky und Nu Disco bis Disco ist, fällt „Physical“ mit seinem Olivia Newton-John-Referenzen als einziger Song etwas in eine andere Zeit. Nämlich in die 80er.

Dua Minogue?

Dua Lipa setzt mit diesem Album zwei Zeichen. Sie bedient einen Sound, den man sich in den letzten Jahren von so vielen weiblichen Künstlern gewünscht hätte. Was hätte ich für ein Gaga-Disco-Album gegeben, ein Kylie-Disco-Album oder ein Uptempo-Dance-Album von Madonna? Dua macht diesen Sound und verkauft ihn als klassische Popmusik. Auf der zweiten Ebene liefert sie in einer sehr stressigen Zeit ein sehr leichtes, optimistisches Album, das Spaß macht. Wir werden uns alle an „damals“ erinnern, als wir dieses Album in Quarantäne 2020 gehört haben. / Berry

Bilder: Universal Music