Demi Lovato - Dancing With The Devil - Album Review

Dass Demi Lovato mit neuem Album vor uns steht, ist ein Wunder!

Der GRAMMY-nominierte Superstar Demi Lovato führt ihre weltweite Fangemeinde in ihre neue kreative Ära ein. Mutig, charismatisch und entschlossen stellt sie sich auf ihrem neuen Album “Dancing with the Devil…The Art of Starting Over” ihren größten Ängsten. Hier ist meine Review zum Album.

Für Fans von: Christina Aguilera, Dolly Parton, Taylor Swift
Lieblingstrack: Met Him Last Night (feat. Ariana Grande)
Ranking: 6/10

Wenn man dachten, dass der jüngste Dokumentarfilm „Framing: Britney Spears“ eine Anklage der Musikindustrie und den Medien im Umgang mit jungen weiblichen Stars sei, ist das neue Demi Lovato Album der Soundtrack dazu. Das Album steht im Einklang mit der YouTube-Dokumentation “Dancing with the Devil“, in der man sehen kann, wie Demi vom einstiger Disney-Stars in die Drogenabhängigkeit abrutscht und sich am Ende beinahe das Leben nimmt. Um das Album zu verstehen, muss man den Leidensweg der Künstlerin kennen.

Heroin, Fentanyl und eine erneute Vergewaltigung

Es beginnt mit einer Vergewaltigung im Alter von 15 Jahren durch einen ihrer Disney Channel-Co-Stars. Demi sagt, dass es für ihren Vergewaltiger keine Konsequenzen gab und sie anschließend „diese Person die ganze Zeit sehen musste“. Es folgen Anorexie, Bulimie, Gewalt, harten Drogen, Selbstverletzung gepaart mit einem extrem kontrollierendem Management. Am Ende führen alle diese Faktoren dazu, dass Lovato 2018 Heroin mit Fentanyl einnimmt und erneut vergewaltigt wird. Diesmal von ihrem Drogendealer. Sie erleidet durch die Überdosierung drei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt, was zu Hirnschäden führte. Dass Lovato heute mit einem neuen Album vor uns steht, grenzt also an einem Wunder.

Ihr erstes Album seit vier Jahren ist genau das. Der „Tanzen mit dem Teufel“ und „Die Kunst, von vorne zu beginnen“. Lovato macht nun genau das, wozu sie nie bestimmt war. Sie benennt Dinge und ist nicht mehr das harmlose Pop Stimmchen. Das Album ist schonungslos und beginnt mit „Anyone“. Der Song handelt davon, wie sie auf der Bühne eine Panne hat: „Ich fühle mich dumm, wenn ich singe. Niemand hört mir zu.“ Auf dem zweiten Song raucht sie dann Crack und singt über die Zeit in der Manager die Kontrolle darüber hatten, was sie aß. Sie versuchten sie in Barbie-Größe zu zwingen: „Ich habe in zwei Wochen 10 Pfund abgenommen, weil du mir gesagt hast, ich sollte nicht essen.“

Die Inhalte überschatten die Musik

So schön die Texte auch sind, so eindruckslos ist oftmals die Musik. Man merkt, dass hier auf „weniger ist mehr“ gesetzt wurde, weil der Hörer ganz eindeutig die Inhalte verstehen soll. Aber der Sound ist eine Ansammlung an modischen Verwirrungen. Es ist 70er-Jahre-Country-Rock, dann ist es leichter Elektronik-Pop-Vibe wie bei „My Girlfriends Are My Boyfriend“, dann ist es wieder eine 80er-Pop wie bei „Melon Cake“. Gefüllt mit Klavierballaden, die ihre Stimme hervorheben, aber in ihrer Masse gleich wirken, wenn da nicht die tollen Texte wären. Generell startet das Album sehr stark und verliert sich am Ende mit zu vielen 19 Tracks. Besonders das Cover vom Tears for Fears Klassiker „Mad World“ wirkt komplett fehl am Platz.

Es wirkt so, als würde Demi Lovato mit diesem Album ganz vorsichtig fragen, ob sie wieder mit am Tisch sitzen darf. Große Pop Produktionen wie „Sorry Not Sorry“ währen auch fehl am Platz gewesen. Sie geht es langsam an und wagt sich Schritt für Schritt nach vorne. Demi Lovato gehört sicherlich zu einer der größten Stimmen unsere Generation und dieses Album legt den Grundstein, um weiter machen zu können. Sie ist eine Kämpferin und eine Überlebende. Alles andere wäre an dieser Stelle auch zu viel verlangt. / Berry

Bild © Universal Music Germany