Ranking: Wie queer ist eigentlich der Super Bowl?

American Football gilt als hyper-maskuliner Sport und somit zieht man schnell Schlüsse, dass auch der Super Bowl kaum Platz für LGBTQ+-Menschen bietet. Wie queer ist eigentlich der Super Bowl?

Die Werbepause beim Super Bowl in 2020 gilt als die queerste aller Zeiten. Vollgestopft mit LGBTQ+ Prominenten liefen eine Reihe interessanter Werbeclips weltweit über die Bildschirme und das im wohl teuersten Werbeblock der Welt. Die Hauptrollen gingen u.a. an den queeren Rapper Lil Nas X, Jonathan Van Ness von Queer Eye, Ellen DeGeneres und Portia de Rossi, Kim Chi von RuPaul’s Drag Race, Miz Cracker, die bisexuelle Talk-Moderatorin Lilly Sing, so wie 2019 Weltcupsieger und Jungvermählten Ali Krieger und Ashlyn Harris.

Seit 2016 tut sich immer mehr beim berühmten Super Bowl. Also im Grunde in genau den Jahren, in denen Trump an der Macht war. Ein wichtiges Zeichen war sicherlich die Super Bowl Halftime Show von Lady Gaga im Jahr 2017. Lady Gaga, die ein der Symbolfiguren der LGBTQ+-Bewegung ist, steht auf dem Stadiondach und singt „This Land is Your Land“. Ein uramerikanisches Lied über Inklusion und Gleichberechtigung. Kurz danach eröffnet sie ihre Show und singt for der ganzen Welt ihren LGBTQ+-Hymne „Born This Way“. Die Textzeile „Völlig egal, ob du schwul, hetero oder bi bist, lesbisch oder transgender, du bist auf dem richtigen Weg“ gehen hier ganz tief unter die Haut.

Die Halbzeitshow von Shakira und Jennifer Lopez war ebenfalls mehr, als nur eine große Party. Auch wenn es keinen direkten Bezug zu LGBTQ+ gab, war es eine Hommage an die Unabhängigkeit der Frau. Shakira, die ihre tanzende Zunge in Kameras hält und damit einen uralten Brauch aus der Kultur ihres Vaters einbaut oder Jennifer Lopez die Springsteens „Born in the USA“ mit einer US-Flagge in ihrem Mantel präsentiert als Zeichen dafür, dass die Lateinamerikaner zu den USA gehören. Die Show hatte Botschaft.

In diesem Jahr wird die 22 jährige Poetin Amanda Gorman, die bei der Amtseinführung von Joe Biden mit dem Gedicht „The Hill We Climb“ die ganze Welt bewegt hatte, eine Rede halten. Alle fragen sich, was sie am 07.02.2021 im Ray-Jay-Stadion von Tampa sagen wird, wenn mehr als 150 Millionen Menschen weltweit zuschauen?

Doch der Super Bowl hat auch seine dunklen Momente. Über Nacht wurde Michael Sam als erster offer schwuler US-Footballer in der Profiliga NFL zum Held. Das war 2014. Inzwischen aber ist die Euphorie verflogen und Michael Sam stand Jahrelang ohne Club da. „Ich habe alles richtig gemacht“, sagte er damals im Interview mit Oprah Winfrey.

Der Super Bowl geht in Sachen LGBTQ+-Bewegung immer weiter voran, während er im Sport weiter hinterherhinkt. Die Halftime Show mit Künstlern die eine große LGBTQ+-Fanbase haben und auch LGBTQ+-Ikonen sind, wie Madonna, Katy Perry, Lady Gaga oder auch Beyoncé, wirken manchmal wie eine bewusste Inszenierung, um von der Tatsache abzulenken, dass LGBTQ+ im Sport noch nicht angekommen ist, aber gerne ein Nebenschauplatz in Form von Entertainment sein darf. / Berry

Bild © instagram./ichbinmarek