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Ich bin ein schwuler Mann in meinen Dreißigern. Je älter ich werde, umso öfter fällt ein Wort: Daddy! Doch was genau macht ihn aus, wann ist Mann einer und seit wann hat es der Begriff so weit in die Sexualität geschafft?

Manche Leute mögen es andere Menschen “Daddy” zu nennen oder möchten selbst so genannt werden. Dabei rede ich nicht von der Vater-Sohn-Beziehung, sondern von einem mittlerweile sehr sexuellen Begriff. Der “Daddy” steht heute nicht nur für eine ganz bestimmte Vision vom Mann, sondern ist ein fester Begriff in der heutigen Popkultur, der Männer auf bestimmte Art uns Weise sexualisiert.

Es ist nicht ganz klar, wann es der Begriff in das Sexuallexikon geschafft hat. Doch er wird schon viel länger verwendet, als man vermuten würde. “Es ist definitiv keine neue Sache”, sagt Dulcinea Pitagora, eine Sexualtherapeutin und Mitbegründerin der AltSexNYC-Konferenz. “Ich würde sagen, dass es seit mehreren Jahrzehnten so ist, seit das Wort “Daddy” in der Sprache verwendet wird.”

Der Begriff “Daddy” geht weit zurück

So soll der Slang-Gebrauch des Wortes aus dem Jahr 1681 stammen, als Prostituierte anfingen ihre Zuhälter so zu nennen. In der Popkultur wurde dieser Begriff weiter prägend benutzt. Ob im Film, in der Mode oder in der Musik. Sogar das “Lemonade”-Album von Beyoncé hat den Begriff “Daddy” aufgeworfen. Doch es gibt einen Unterschied zwischen der passiven Verwendung des Begriffes und der gezielten Sexualisierung.

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Der Begriff im sexuellem Kontext verbindet meistens ein gewisses Interesse einer sehr spezifischen Dynamik im Bett. Der Begriff ist in der Regel mit einer dominanten Rolle verbunden. Immerhin ist der “Daddy” ganz groß in der SM-Szene vertreten, wo er für Macht und Kontrolle steht. Doch heute ist er im Mainstream angekommen und Beschreibt oftmals Männer, die die gewissen Merkmale aufweisen können.

Foto: THE BEAR-NAKED CHEF Adrian De Berardinis

Je älter ich werde, umso häufiger höre ich den Begriff. Er kommt von allen Seiten. Ob jüngere Männer, die auf ältere stehen, gleichaltrige Freunde, die mich heute als ältere Version meiner 20er sehen oder ältere Männer, die sich selbst als “Daddy” bezeichnen und in dir eine junge Version ihrer selbst sehen, die auf dem Weg zum Daddy ist. Der Begriff ist gefühlt überall und geht mit bestimmten Merkmalen Hand in Hand. So wird man eher als Daddy gesehen, wenn man Ü30 ist, gerne groß, breit, beharrt, grau bis zu der Version, die komplett Grau ist und weit über die 50er geht. Der Begriff “Granny” oder “Grandpa” wurde nie sexualisiert. Der Mann bleibt Daddy, auch wenn er 80 Jahre alt ist.

Es ist kein reines SM- oder Gay-Ding

Laut einer Analyse der Plattform “PornHub” ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen nach dem Begriff “Dad” und “Daddy” suchen um 96 Prozent höher als bei Männern. Interessant ist auch, dass diese Begriffe auf der Plattform besonders oft am Vatertag eingegeben werden. Der “Daddy” ist also schon lange kein reines SM- oder Gay-Ding, auch wenn die Suchanfragen auf PornHub Gay signifikant zugenommen haben. Dennoch liegen die Gays vorne. “Daddy” schaffte es unter die ersten fünf Begriffe, die auf der PornHub Gay-Seite eingegeben werden. Laut Statistik suchen die Besucher von PornHub Gay 277 Prozent häufiger nach “Dad“ und “Daddy“, als diejenigen, die sich heterosexuelle Pornos ansehen. “In der Homosexuellen-Kultur wird “Daddy” normalerweise verwendet, um sich auf jemanden zu beziehen, der sich als dominant und männlich identifiziert und der manchmal älter ist als seine Partner, wenn auch nicht unbedingt”, sagt Pitagora.

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Wieso so viele Menschen nach diesem Begriff suchen ist umstritten. Einige halten an der Idee fest, dass man eine Art “Vater”-Problem hat. Sei es, dass man eine negative oder gar keine Beziehung zum eigenen Vater hat, sich vom Vater nicht geliebt fühlte oder eben ohne Vater aufgewachsen ist. Diese Menschen versuchen dann ungelöste Gefühle innerhalb einer sicheren, sexuellen Begegnung zu verarbeiten oder zu kompensieren. Andere behaupten, die ganze Sache sei eine reine sexuelle Erkundungsreise und nicht tiefgründiger.

Bild: Instagram/abramov_lex

“Dieses Spiel ist in modernen Beziehungen so verbreitet, das es oft nicht einmal als Spiel angesehen wird”

Die sexuelle Verwendung ist dabei eigentlich eine recht harmlose Rollenverteilung beim Geschlechtsverkehr. Der “Daddy” hat, anders als im SM, trotz Macht und Stärke eigentlich nichts mit Gewalt und Unterdrückung zu tun: “Dieses Spiel ist in modernen Beziehungen so verbreitet, das es oft nicht einmal als Spiel angesehen wird”, sagt Pitagora. „Weibliche Partner von Männern verwenden den Begriff „Daddy“, um sich auf ihre älteren männlichen Partner zu beziehen”. Immerhin wird genau so oft, wenn nicht noch öfter, das Wort “Baby“ im Bett mit sexuellem Bezug benutzt.

Ich stelle also fest, dass der Begriff “Daddy” einfach eine Art Zuordnung ist, die sexuelle Referenzen vereinfacht. Es ist weder ein Fetisch, noch ist es eine sonderlich perverse Vorliebe. Lustiger Weise sind die echten Väter, die ja auch oft als sehr anziehend bezeichnet werden, von diesem Begriff kaum noch erfasst. Der “Daddy” halt also den echten “Daddy” verdrängt. / Berry

Bild: instagram/abramov_lex/

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