Während beim Inzest der Geschlechtsverkehr zwischen eng verwandten Menschen beschrieben wird, geht es beim „Twincest“ um den Sex zwischen Zwillingen. Doch was ist, wenn beide des gleichen Geschlechts angehören und homosexuell sind? Ist der „Inzest“ in diesem Fall legitim, weil sich zwei Männer oder Frauen nicht miteinander fortpflanzen können? Homoerotische Fantasie oder Tabu?

Laut Wikipedia ist der Twincest eine Unterkategorie des Inzests. Hier geht es um hetero- und homosexuelle Handlungen zwischen Zwillingen. Erstaunlicherweise genießt „Twincest“ in der Gesellschaft eine höhere Akzeptanz als Inzest. Die antike Geschichte Asiens und Griechenlands, bis hin zu TV-Shows wie „Game of Thrones“, behandeln diese heikle Thematik. Auch im Internet findet man reichlich Bilder und Seiten, die homosexuelle Zwillinge in eindeutigen Posen zeigen. Eines der berühmtesten „Gay-Twin“-Paare sind die Peters Zwillinge, Elijah und Milo, die auch schon ein „Twins Sex Video“ veröffentlicht haben. Die Peters Zwillinge brechen durch ihre Pornofilme dieses Tabu ganz bewusst und sind mehr als erfolgreich. Als die beiden im Jahr 2009 anfingen, stiegen die Klicks auf der Website der Filmfirma auf 1,5 Millionen User pro Monat. 

Rechtlich gesehen, sind diese Handlungen in Deutschland keine Straftat. Es gibt eine Art Empfehlung des Ethikrats, welcher von sexuellen Handlungen innerhalb verwandter abrät. Doch freiwilliger Sexualkontakt zwischen Eltern und Kindern oder Jugendlichen werden von der Empfehlung gar nicht erfasst. Bei minderjährigen Geschwistern wird der einvernehmliche Geschlechtsverkehr auch heute nicht bestraft. Bei gleichgeschlechtlicher Liebe unter Geschwistern ist dies nochmals anders. Das Strafgesetz dient dem Schutz von Rechtsgütern. Geschwisterinzest kann nur von Geschwistern unterschiedlichen Geschlechts begangen werden, weil der im Gesetz verwendete Begriff „Beischlaf“ eine Vereinigung von männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen voraussetzt. Da es somit kein Rechtsgut gibt, welches verletzt werden kann, spricht man oftmals von einem opferlosen Delikt. Der Geschlechtsverkehr zwischen homosexuellen Twins ist also keine Straftat.

 


Ist es lediglich eine sexuelle Fantasie, die die Anziehung dieses Phänomens ausmacht oder ist es schlichtweg ekelhaft? Die Frage ist deshalb so wichtig, weil dieses Tabu enorme Parallele zu der Frage aufweist, ob Homosexualität in Ordnung ist. Die Fragen könnten identischer nicht sein: „Spielt es eine Rolle, wen man liebt?“ oder „Ist Liebe nicht Liebe, egal welches Geschlecht?“ usw. Wo ist die Grenze zur Abscheulichkeit und vor allem, wie fühlen sich die Betroffenen dabei? Was soll man tun, wenn man auf seinen Zwilling steht? Warum ist es legitim, wenn ich als schwuler Mann einen Partner habe, der genau so aussieht wie ich, also rein optisch mein Zwilling ist, aber es biologisch nicht ist. Und warum ändert sich diese Sachlage, wenn mein Zwilling auch biologisch mein Zwilling ist? Muss man tolerant sein und jegliche Art der Liebe akzeptieren, so hat man oftmals mit seinen eigenen ethischen Werten zu kämpfen. Doch so manch ein heterosexueller Mensch muss auch seinen Ekel vor homosexuellen Handlungen überwinden, wenn er gegenüber diesen tolerant sein will.

Text: Berry E.