Bis zum 31. August 2020 wird es in Deutschland aller Voraussicht nach keine Großveranstaltungen geben. Das verkündeten gestern u.a. Angela Merkel in einer Pressekonferenz. Das bedeutet auch, dass die komplette CSD Saison 2020 ausfällt, aber auch Partyreihen und Clubs haben zu kämpfen.

Viele, die meinen Blog lesen wissen, dass ich in erster Linie DJ und Veranstalter bin. Seit Jahren mache ich LGBT+ Events und lege regelmäßig deutschlandweit auf. Somit war die gestrige Ansage der Bundesregierung erstmal ein Schock. Auch, wenn derzeitig noch zwischen Großveranstaltungen und Party, Clubs, Bars unterschieden wird, wissen wir alle nicht, wie es wirklich in den nächsten Monate weitergeht

Vorweg sei aber gesagt, dass ich in diesem Artikel nicht über den Sicherheitsaspekt diesen Maßnahme rede. Ich möchte lediglich einmal verdeutlichen, was ein Eventverbot bis Ende August 2020 für uns Szene bedeuten könnte, sofern auch Clubs und Bars geschlossen bleiben.

Es gibt wichtigere Dinge, als den CSD

Jetzt sagen sicherlich einige von Euch: „Es gibt wichtigere Dinge, als Party oder CSD“. Klar gibt es die, aber hinter diesen Events steckt eine Branche und für diese ist es ein harter Schlag, auch wenn die Maßnahmen dem Allgemeinwohl dienen sollen. Der Christopher Street Day und seine Events sind von Stadt zu Stadt anders organisiert. Doch jede Großveranstaltung, braucht Geld und da helfen besonders Sponsoren und Einnahmen durch Werbung. Kein CSD, keine Einnahmen! Oftmals wird direkt nach einem CSD schon am nächsten Jahr gearbeitet. Das kostet ebenfalls Geld und wie man es sich denken kann, wurde noch bis Mitte März fleißig geplant und gebucht. Zumindest beim Hamburg Pride, der derzeitig prüft, ob der CSD nicht in den September verlegt werden kann.

Was ist mit den Clubs?

Noch wissen wir alle nicht, ob es Lockerungen geben wird und ob kleinere Clubs nicht doch früher wieder hochgefahren werden können. Doch was passiert, wenn sich das tatsächlich bis in den August zieht? Ganz davon abgesehen, welche Clubs im September 2020 überhaupt noch den Betrieb aufnehmen können, ist die Frage, wer Clubs besuchen wird? Sicherlich werden einige Menschen Angst haben, sich unter große Massen zu begeben. Es wird die Szene spalten und die, die es lieber meiden, verurteilen die, die hemmungslos Feiern gehen und damit uns alle „gefährden“. Auch finanziell werden sich viele nicht mehr ganz so viel leisten können. Jemand, der Gastronom ist und alles verloren hat, wird es sich mehrfach überlegen, ob er das knappe Geld zum Feiern verwenden wird.

Eine Branche kämpft ums Überleben

Auch Clubs werden selektieren müssen. Sie werden nach der Wiedereröffnung zusehen müssen, dass sie in erster Linie die Events ran lassen, die die größten Besucherzahlen und Umsätze verbuchen. Immerhin müssen mehr als fünf Monate Durststrecke finanziell wieder reingeholt werden. Wie sieht es mit den Auflagen aus? Was erwartet die Clubs und Veranstalter ab dem 01. September? Wenn es strenge Auflagen gibt und Polizisten regelmäßig Club stürmen und kontrollieren, überlegen es sich selbstständige Veranstalter zwei Mal, ob sie in ihrer fragilen finanziellen Lage dieses Risiko eingehen wollen.

Wie ein Schlaganfall

Es ist wie ein Schlaganfall. Je länger der Betroffene keine Hilfe bekommt, desto größer sind die Schäden und desto irreparabler sind die Schäden. Das ist das Szenario vor dem insbesondere die Clubs stehen. Ja, es ist viel Schwarzmalerei und vielleicht kommt alles ganz anders. Doch ich möchte an dieser Stelle einmal verdeutlichen, dass es eben nicht nur um die Lust auf Party oder CSD geht. Es geht um eine Branche, die um das Überleben kämpft und die nach dem 31. August 2020 nicht mehr die selbe sein wird.

Support ist jetzt mehr Wert, als Geld!

Die Sicherheit und Gesundheit geht vor, aber Existenzen dürfen dabei nicht platt gemacht werden. Deswegen appelliere ich an alle: streckt eure Fühler aus und schaut, wie ihr eure CSDs, Clubs und Veranstalter unterstützen könnt. Stream die Live Streams, die es derzeitig massig gibt. Spendet einen virtuellen Eintritt, wenn es angeboten wird. Unterstützt Aktionen zur Rettung der Club. Kauft Gutscheine für die Clubs, Events usw. Schaut regelmäßig auf den Seiten eures CSDs vorbei. Digitale Unterstützung ist wichtig. Seien es Likes, Kommentare oder das Streamen eines DJ Sets eures Lieblings-DJs. Wir alle – Drags, Djs, Veranstalter, Clubs, CSDs usw. – haben Angst. Wir wissen nicht, wie es weiter geht und wie die Welt für uns danach wird. Wir brauchen unsere Fanbase, Follower, Gäste und Besucher jetzt mehr denn je!

Ich hoffe sehr, dass es nicht ganz so hart kommt. Auch wenn die CSD Saison zum Großteil wegfällt, wäre es zumindest ein Trost, wenn Clubs und Bars eher den Betrieb aufnehmen könnten, damit sich die Schäden in grenzen halten. Natürlich immer unter dem Aspekt, dass Sicherheit und Gesundheit vorgeht. / Berry

Titelbild: Instagram