Am Dienstagabend gab Beyoncé das erste von insgesamt zwei Deutschlandkonzerten ihrer Formation World Tour in Deutschland. Die fast ausverkaufte Esprit Arena in Düsseldorf durfte Zeuge einer spektakulären Bühnenshow werden, bei der ein überdimensionaler LED Cube, Beyoncé selbst und ihr ebenfalls überdimensionaler Zopf, die Hauptrolle spielten. 

Beyoncé - Formation World Tour 2016

Schon beim Betreten der Arena durfte man Bekanntschaft mit einem Hauptakteur der Show machen: Einem überdimensionalen, multifunktionalem LED Hochhaus, das in den Himmel ragt und dezent in weiß leuchtet. Was dieses Meisterwerk an Technik alles kann, sollen die Zuschauer erst erfahren, wenn Queen B die Bühne betritt. Vorher durften sich zwei Supportacts auf einem undankbaren Seitenbereich der Bühne, zu runtergedrosseltem Sound, präsentieren, bis dann um 20:10 Uhr ein Einspieler mit fettem Bass den Zuschauern klar machte, dass nun die Queen kommt und die folgende Show in High-End-Sound stattfinden wird. Spätestens jetzt ist selbst der letzte Zweifler in dieser Halle leicht eingeschüchtert und weiß, dass der Boss gleich die Bühne betritt. 

Zu einem mystischen Intro fängt die gewaltige LED-Konstruktion auch noch an, sich um die eigene Achse zu drehen. Allein das ist so beeindruckend, dass es für einen kurzen Augenblick eigentlich egal zu sein scheint, ob Beyoncé oder Andrea Berg gleich auf die Bühne kommt. Kurz von der technischen Umsetzung beeindruckt, holen einen dann die ersten Töne des Eröffnungssongs „Formation“ zurück in das Beyoncé-Universum. Mit Hexenhut und diversen Tänzerinnen – übrigens alle weiblich, so wie ihre Band auch – betritt Beyoncé die Bühne und muss nur, wie im Video zu Formation, mit dem Kopf und den überdimensionalen Hüten drauf nicken und schon flippt die komplette Arena aus. Man hat einen kleinen „Michael Jackson“-Moment aus den 90ern, wo der King of Pop im Rahmen seiner „Dangerous Tour“ zu beginn der Shows einfach nur 3 Minuten auf der Stelle steht, um dann mit dem Kopf in die andere Richtung zu gucken und reihenweise Fans in Ohnmacht fallen zu lassen. Beyoncé schafft so einen Moment auch und legt auch tänzerisch direkt nach. Kein Zweifel, sie orientiert sich an den größten der Musikgeschichte.  Dabei stahl ihr einer an diesem Abend etwas die Show. Unter dem Hut, den sie direkt während des ersten Songs abnimmt, um uns in ihr Gesicht und ihre magische Aura blicken zu lassen, verbirgt sich ein überdimensional langer Zopf, der ihr während der restlichen Show so ordentlich viele Schläge verpasst und fast ein Eigenleben entwickelt. Eigentlich hat ihr Zopf ein eigenes Facebook-Profil verdient. 

Beyoncé - Formation World Tour 2016

Abseits von Zöpfen und LED-Hochhäusern wird schnell klar, dass Beyoncé vieles von einer Queen of Pop hat. In den kommenden 120 Minuten liefert sie ein Meisterwerk an Bühnenshow ab. Dabei konzentriert sich Beyoncé nicht nur auf neues Material von ihrem hochgelobten Konzeptalbum „Lemonade“, sondern verbindet die Stücke so gekonnt mit den restlichen Werken ihrer Karriere, dass man zwar merkt, dass sie sich weiterentwickelt hat, aber dennoch einsehen muss, dass sie schon immer die gleich Botschaft hatte. So reiht sich „Freedom“ perfekt in die kämpferische Aussage ihres Destiny´s Child Hits „Survivor“ ein und der wütende Song „Don´t Hurt Yourself“ liefert sich einen Abschlag mit „Ring The Alarm“. Beyoncé liefert generell alles, was der Fan braucht: Neue Songs, alte Hits, ein wenig Destiny´s Child und die ein oder andere Ballade, die ihre Stimme nochmal richtig hervor hebt. Zwischendurch singt sie acapella und widmet sich abseits der dicht getakteten Show ihren Fans. Zwischen den einzelnen Teilen beschallen uns auf der Leinwand ungewohnt düstere Einspieler, die der Horrorserie „American Horror Story“ in nichts nachstehen. Beyoncé zeigt sich so düster, wütend und rachefreudig, wie noch nie. Zugleich ist sie so nahbar und entspannt, wie noch nie. Nicht alles ist strikt durchgeplant. Während vieler Einspieler steht sie einfach verloren an der Seite ihrer Bühne, trinkt etwas und tupft sich den Schweiß aus dem Gesicht. Zum Ende des Konzerts gibt es dann eine Abkühlung in einem bis zum Knöchel gefülltem Becken im mittleren Bereich der Halle, wo Beyoncé und ihre Tänzerinnen um die Wette planschen. Abschluss bietet dann „Halo“ mit Feuerwerk und einer sichtlich gerührten Beyoncé.

Beyoncé - Formation World Tour Düsseldorf

Beyoncé könnte mit der „Formation Word Tour“ auf dem Zenit ihrer Karriere sein. Sie ist an einem Punkt, an dem alles passt. Sie liefert mit Lemonade ihr musikalisch stärkstes Album ab, ist eine wichtige Figur in der BlackLivesMatter-Bewegung, körperlich im Einklang mit sich und physisch in einer starken Verfassung, die sie tänzerisch und stimmlich zeigt. 19 Jahre ist diese Frau schon im Musikbusiness und arbeitet wie ein Tier und das zeigt sich in so einer Produktion wie der „Formation World Tour“. Sie hat den Willen und die Kraft, mit den richtigen Leuten, so eine Show zu produzieren. Beyoncé hätte weit weniger bieten können und andere Künstler wie Rihanna, weit mehr. Ja, warum schafft es kaum ein anderer Weltstar dieses Niveau zu bieten und zu halten? Sie wollen es vielleicht nicht und vielleicht haben sie nicht den Anspruch, den Beyoncé an sich und ihrem Lebenswerk hat, dass sie uns in 120 Minuten gekonnt um die Ohren haut. Doch besonders das Live-Business ist heutzutage wichtig und das hat sie begriffen. Wenn man Menschen nach Beyoncé fragt, sagt nunmal keiner, wie hübsch sie ist. Die meisten werden sagen: „Die kann gut singen und tanzen“. Word! 

Bilder: Hollywood Tramp

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

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