Gestern Abend hat Christina Aguilera nach 13 Jahren live in Berlin gespielt und ihre „Vegas Show“ nach Europa gebracht. Wieso das Konzert ein Seilakt zwischen Fan-Hysterie und Stadtfest war, sage ich euch jetzt.

Tatsächlich hat es 13 Jahre gedauert, bis Christina Aguilera gestern Abend wieder auf einer Deutschen Bühne stand. Um kurz nach 21 Uhr kam sie auf einem verspiegeltem Thron aus dem Boden, als wäre sie nie weggewesen. Es folgte eine energiegeladene Show mit ordentlich Tempo voller Hits wie „Dirrty“, „Genie in a Bottle“, „Ain´t No Other Man“ und „Fighter“.

Die Show selbst ist eine Art „abgespeckte“ Version ihrer Las Vegas Show, wie es auch Britney Spears im vergangenen Sommer gemacht hat. Die Bühne ist kleiner, bestimmte Elemente fehlen und auch die Setlist ist leicht abgeändert. So fehlen in Europa Songs wie „Not Myself Tonight“ und das „Bionic“-Medley. Dafür liefert Christina aber ihre großen Hits, auch wenn einige leider nur in gekürzter Form angesungen werden. Das Tempo ist dementsprechend vor allem Anfang hoch und mit Choreographien und Kostümwechsel geschmückt.

Als wäre sie nie weg gewesen

Xtina selbst scheint fit wie in den 2000er zu sein. Klar, sie tanzt nicht mehr so wie früher und die Show ist auch so gestaltet, dass sie sich auf ihre Stimme konzentrieren kann. Aber die große Tänzerin war Christina auch nie gewesen. Dennoch hat man das Gefühl, dass sie voll bei der Sache ist und den Moment mit ihren Fans genießt. Sie ist nunmal „Die Stimme“ und ihre Stimme ist voll und ganz da, wenn auch teilweise kaum zu hören.

Und Damit muss ich nun leider zu den Schwachpunkten der Show kommen. Der Sound war schlecht abgemischt und Xtina teilweise kaum zu hören. Erst in den Balladen und ruhigeren Nummern, konnte man von ihrer Stimme abgeholt werden. Auch die Unterbrechungen bremsten immer wieder die Stimmung. So verschwand Christina teilweise nach nur zwei Songs von der Bühne, gefolgt von einem Einspieler nach dem anderen.

Das Problem mit „Vegas on Tour“

Wir sind heute an einem Punkt angekommen, an dem deutsche Produktionen die US-Produktionen teilweise eingeholt haben. Tatsächlich bieten Helene Fischer, Andrea Berg, Vanessa Mai, Rammstein und auch Leute wie DJ Bobo bessere Shows, als ihre US Kollegen. Da wirkt dann eine Xtina-„Vegas“-Show, die irgendwie auf eine angemietete Bühne in Europa gepackt wird, wie eine kleine Stadtfestbühne auf einem Dorf. Man merkt einfach, dass diese Tour nicht als Tour zum Reisen konzipiert und die Bühne nicht extra für diese Tour gebaut wurde. Das hat Britney Spears letztes Jahr genau so gemacht und alles, was in Vegas so glamourös war, wirkte in Mönchengladbach einfach nur billig. Wenn lediglich nur Elemente der Vegas Show auf die Bühne gestellt werden leidet die Qualität immer.

Ein großer Moment für alle Fans

Wie dem auch sei. Am gestrigen Abend war das alles egal. Die 13 Jahre warten lagen förmlich in der Luft. Die Fans waren einfach nur froh, dass Xtina nach so vielen Jahren überhaupt gekommen ist. Viele haben nicht mehr an diesen Moment geglaubt und so hätte sie auch einfach zwei Stunden nur auf einem Hocker sitzen können. Die Fans hätten es gefeiert. Es war ein schöner und unvergesslicher Abend und auch Aguilera selbst betonte am Anfang, wie dankbar sie sei, dass ihre Fans auf sie gewartet haben.

Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, ist Christina Aguilera eine Klasse für sich. Das diese Tour keine „große“ Produktion im Sinne einer P!nk, Helene oder Beyoncé ist, liegt am Ende nicht am Künstler sondern daran, wie viele Menschen dich sehen wollen und wie viel Geld du in deine Show stecken kannst. Somit kann man einfach froh sein, dass sie gestern da war und gerockt hat. Energie, Tempo, Stimme und sau sympathisch. Das war sie! / Berry

Bild: Hollywood Tramp