Hollywood Tramp Pool Gay

So kommst du sicher durch deinen queeren Urlaub!

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Unterwegs hat man Verantwortung: Für die Umwelt, aber auch für sich und andere. Und als queere Person hat diese Art der Selbstverantwortung ganz viel mit Sicherheit zu tun. Denn Menschen des LGBTQIA+-Spektrums sind nicht überall willkommen.

Gastbeitrag von Simone Bauer

Zum Beispiel in Ungarn, mit seinem seit einem Jahr gültigen Gesetz zur „Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität“, aber auch in Polen. Und das ist sehr schade, denn das Land bietet eine tolle Mischung aus hübschen Häuschen, fantastischen Brücken und Hochhäusern und auch die Nähe zum Meer lässt jeden Urlaub gelingen. Wäre da nicht die derzeitige nationalistische Rechtslage, die starken Gesetze gegen Abtreibung und selbstverständlich die „LGBT-freien Zonen“. Immerhin: Ende Juni konnte gerichtlich erwirkt werden, dass vier weitere Gemeinden ihre homofeindlichen Distrikte aufgeben müssen. Das Wissen um sie aber bleibt. Wenn man sich als queere Person also dorthin aufmacht, weil es für einen persönlich okay ist, unter dem Radar zu bleiben, sollte man sich dennoch der Frage stellen: Will ich diese Wirtschaft tatsächlich unterstützen?

Wie sicher sind wir in unserer Heimat?

Als reisende Person hat man auch eine Verantwortung gegenüber dem Gastland; der queeren Gemeinde, die dort lebt. So wäre es eine gute Unterstützung, Petitionen zu unterschreiben und an Politparaden oder Demonstrationen teilzunehmen – solange man sich safe fühlt. Dennoch sollte man versuchen, nicht alleine zu gehen. Egal, ob im Ausland oder in der Heimat, denn auch in Deutschland nimmt der Hass auf queere Menschen zu. Nicht nur als homofeindlicher Mob im Web – die körperliche Gewalt gegenüber queeren Menschen ist allgegenwärtig. So wurden ebenfalls Anfang Juli drei sich als lesbisch identifizierende Frauen in der Kölner Schaafenstraße zum Teil bewusstlos geprügelt – als nur ein Beispiel von vielen. Es ist besonders wichtig, jede dieser Hasstaten polizeilich zu melden. Selbst Statistiken des Bundeskriminalamts sorgen für Sichtbarkeit der Situation der queeren Community.

Wer also Städtetrips zu CSDs plant, aber alleine ist, wird sicher im Internet auf der Suche nach Kontakten fündig – sollte aber diesen neuen, fremden Begleitungen nicht blind vertrauen. Denn es gibt leider auch hier schwarze Schafe. „Princess Charming“-Kandidatin Wiki wies in einem Community-Post auf die Wichtigkeit voller Handyakkus und regelmäßige Standortteilung hin. Die Aktivistin bat außerdem um Solidarität, solange diese nicht selbstgefährdend ist.

Bild @ pixabay

Safe haven spain

Um für das Thema Sicherheit noch stärker zu sensibilisieren, veröffentlicht der Blog Spartacus seit zehn Jahren ihren Gay Travel Index, der Länder nach politischer Lage und Kriminalitätsrate beurteilt. 2021 belegte den ersten Platz Kanada, während sich den zweiten Platz Portugal, Malta und Spanien teilten. Vor allem in Spanien überzeugt die Hauptstadt: Das hübsche Viertel rund um den Puerta de Sol, einem der Hauptplätze Madrids, ist mehr als nur „gayfriendly“. Pride-Fahnen hängen aus fast jedem Fenster. Jede*r kann hier so sein, wie er*sie ist: Jung und gerade aus dem Bett gefallen oder etwas älter und aufgestylt. Denn komisch geguckt – oder sich abfällig geäußert – wird hier nicht. Es gibt sogar in der Touristeninformation am Plaza del Mayor eine „LGBT-Map“, die die wichtigsten Locations hervorhebt (wie den Club „Boyberry“ oder den Sexshop „Erotic Palace“ mit unübersehbarer regenbogenfarbener Fassadendeko). Selbst die Ampel vor der berühmten Almudena-Kathedrale überrascht mit queeren Ampelfiguren.

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Während in Madrid „PDA“ (liebevolle Berührungen in der Öffentlichkeit) schon kein Problem ist, so ist es das noch weniger auf Mallorca. Die vermeintlich heteronormativ geprägte Insel der Deutschen zeigt sich auch als Ausflugsziel für queere Paare von ihrer besten Seite. Hier gibt es gar mehrere FKK-Zonen für männerliebende Männer (die wohl schönste am nördlich gelegenen Playa de Muro namens Es Comú). Eine ebenso sichere Insel für queere Personen ist Gran Canaria.

Die eigenen vier Wände abseits der eigenen vier Wände

Viele Hotels nennen sich inzwischen ausdrücklich „gay friendly“. Ob sich dahinter Pinkwashing oder wahre Überzeugung verbirgt, ist wie bei einigen Marken natürlich fraglich. Aber man bekommt zumindest einen sicheren Hafen im fremden Land. In den ohnehin extrem liberalen Niederlanden ist beispielsweise das coole „The Student Hotel“ zu empfehlen. Dieses transformiert sich während der Pride Week im August regelmäßig zu „The Pride Hotel“. Hier finden dann unter anderem Vorträge zu Gender und sexueller Diversität statt.

Und trotz der Tatsache, dass Amsterdam so offen und freundlich ist, habe ich dort auch schon Gewalt von rechts erfahren und zwar definitiv wegen meiner Sexualität, die ich offen zur Schau getragen habe. Man muss im Grunde tatsächlich überall vorsichtig sein. Gleichzeitig schrecke ich trotz dieser Erfahrung nicht davor zurück, in Amsterdam Händchen zu halten. Sichtbarkeit erhöht letztlich Akzeptanz. Und dafür möchte ich die Verantwortung tragen.

Über die Autorin

Lesbian Carrie Bradshaw, also Autorin, Journalistin und Moderation – mit hoher Japanaffinität. Liebt es, zu reisen. Und Yoga. Veröffentlichte 2022 ihre Lesbenlovestory „Hinterm Großstadtdschungel links“ im Butze Verlag, schreibt sonst über gebrochene Herzen zu Achtziger-Jahre-Sound. Und für Schokominzeis.

Titelbild © Hollywood Tramp