Es gibt zwei wesentliche Faktoren, die das „Cruising“ unter homosexuellen Männern weniger Interessant machen, als es noch vor einigen Jahren war. Homosexuelle sind in vielen Orten dieser Welt heute akzeptierter und müssen sich nicht mehr verstecken, wie noch zum Teil in den 80ern oder 90ern. Zudem gibt da noch die diversen Dating-Apps, die das „Cruising“ an sich praktisch überflüssig machen. Hast du wohl gedacht! Denn nun erklärt ein Sexualexperte, warum das „Cruising“ für schwule Männer dennoch seinen Reiz haben sollte. 

Gay Kiss Couple

Das Wort „Cruising“ kommt ursprünglich aus der britischen Seefahrersprache und wurde als Redewendung wie „Mit dem Schiff kreuzen“ oder „Herumfahren“ benutzt. Wir alle kennen den Begriff auch vom „Mit dem Auto durch die Gegen cruisen“. Im Kontext der schwulen Sexualität, steht es für die bewusste und aktive Suche nach einem Sexualpartner. Der Suchende schaut dabei nach potenziellen Partnern und achtet auf eventuelle Signale, mit denen sie Interesse bekunden. Gleichzeitig setzt er selbst für Eingeweihte erkennbare Signale z.B. durch Körpersprache, Gesten, Kleidungsstücken oder sogar Farbcodes. Oft endet Cruising mit spontanem, anonymem Sex im Privaten oder der Semi-Öffentlichkeit, wie öffentliche Toiletten oder Parks. 

Christopher White ist Sexualexperte und hat seit 25 Jahren Erfahrung in seinem Fach. In einem Artikel bei SF Weekly erzählt White von seinen eigenen Erfahrungen und erklärt der jüngeren Generation, wieso sie dem „Cruising“ eine Chance geben sollten. 1990, als er 19 Jahre alt war, hatte White seine erste Erfahrung in der „Gloryhole“ und es blieb nicht bei diesem einen Erlebnis. Doch die Zeiten änderten sich: „Jahre später hatte sich die Art des anonymen Sexes dramatisch geändert, meist zum Besseren. Aber die Dating-Apps haben die Spannung, die Anonymität und den unmittelbaren Genuss rausgenommen (Versteht mich nicht falsch, ich werde meinen Scruff-Account in nächster Zeit nicht löschen)“. White sagt weiter in seinem Artikel: „Ich bevorzuge das Cruisen. Ich mag es in eine öffentliche Toilette zu gehen, wo sich einige Männer aufhalten und eine nervöse erwartungsvolle Energie herrscht…niemand tauscht Namen aus oder hält Small-Talk…es ist die ultimative Befriedigung und fühlt sich sexy und gefährlich an“.

White kritisiert indirekt die Dating-Apps, denn sie sind für ihn persönlich reine Zeitverschwendung, die am Ende dazu führt, dass man eventuell bei jemanden landet „dessen Wohnung ekelhaft ist“, wie er es beschreibt. Sein Rat an die jüngere Generation lautet somit: „Wenn du bereit bist etwas aufregenderes auszuprobieren, zieh dir lockere Shorts an oder eine enge Jeans und geh zu einem Cruising Hotspot“. White weist auch auf die Gefahren hin, denn auch hier steht sicherer Sex an erster Stelle. Schutz ist das A&O, um sich nicht mit möglichen Geschlechtskrankheiten anzustecken. Zudem erwähnt er explizit, dass das „Cruising“ an vielen öffentlichen Orten illegal ist. Ob sich die jüngere Generation, die praktisch mit dem digitalisierten Dating aufgewachsen ist, dafür begeistern lässt, werden wir wohl nicht herausfinden. Es sei denn, man probiert es eben selbst aus. Haben wir wieder etwas gelernt! 

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