Das Coronavirus betrifft fast jeden Aspekt des öffentlichen Lebens, doch viele Männer merken auch, dass es das Sexualleben betreffen kann. Wenn man nicht in einer festen Beziehung mit dem Partner in Quarantäne steckt, ist das Thema Sex während Corona allgegenwärtig.

Soziale Distanzierung ist angesagt. Wir sollen mit so wenig Menschen, wie nur möglich, Kontakt haben. Eine extreme Einschränkung für viele Menschen ohne Partner zu Hause. Corona ruft dabei tatsächlich Erinnerungen an die Zeit von Aids wach, als jeder sexuelle Kontakt fraglich und riskant war. Teile der Community wissen aus dieser Zeit zu gut, wie es ist, sich dafür zu schämen überhaupt Sex zu haben.

Präventionsmaßnahmen fühlen sich extrem an

Das Coronavirus unterscheidet sich jedoch von allen gesundheitlichen Notfällen, mit denen wir es bis jetzt zu tun hatten. Es gibt kein Skript für diese Situation, in der wir stecken. Die Präventionsmaßnahmen fühlen sich extrem an und wir wissen alle nicht, wie und wann es weitergehen wird. Man kann sich einsperren, soziale Kontakte meiden, aber man kann seine Geilheit nicht abstellen. Wie geht man also mit dem Thema Sex während Corona um?

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In einem Interview sagt Dr. Peter Meacher, Chefarzt des Callen-Lorde Community Health Center, ganz klar: „Ziel ist es, die Anzahl der Personen zu begrenzen, mit denen Sie in engen Kontakt kommen“. Laut Meacher ist es besser, die sexuelle Aktivität auf den Lebenspartner zu beschränken, als mehrere Begegnungen außerhalb der eigenen vier Wände zu haben. „Wir empfehlen wirklich so viel wie möglich, sich derzeit nicht mit mehreren neuen Partnern einzulassen“, sagt er.

Digitalisierung und Urinstinkt zusammen

Betroffen sind vor allem also die, die keinen Partner haben, dessen Partner in einer anderen Stadt leben, die eine offene Beziehung führen oder die nicht mit der Person Sex haben, mit der sie zusammen Wohnen. Corona verändert nicht nur unser Leben, es wird auch unsere Beziehung zu Sex verändern. Kreative Lösungen müssen her, um Intimität aus sicherer Entfernung zu erzeugen. An dieser Stelle verschmelzen Digitalisierung und Urinstinkt zusammen.

Selbst Hand anlegen

Die einfachste Lösung ist weder innovativ, noch wirklich befriedigend auf lange Sicht: Selbstbefriedigung. Man kann sich dank der Digitalisierung einem breitem Angebot an Filmen mit explizitem Inhalt hingeben. Da haben wir einen klaren Vorteil gegenüber den 80ern und 90ern. Wer doch einen Hauch mehr Nähe oder Verbundenheit haben möchte, Abonniert mehrere Kanäle seiner absoluten Hotties auf OnlyFans. Hier kann man mit den „Darsteller“ in einen viel direkteren Kontakt treten kann, aber muss eben auch zahlen.

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Sicherlich haben viele auch den Sex via Webcam für sich entdeckt oder wieder aufleben lassen. Die Nähe und die Erotik vermisst man dennoch. Selbst bei großen Online-Sexpartys. So gibt es in London regelmäßige Events, bei denen man nur teilnehmen darf, wenn man vor der Webcam nackt ist. Eine nackte Massenparty per Webcam mit DJ und allem, was ein echter Club bietet. Ob das hilft?

Es ist keine Schande, den echten Sex zu vermissen

Die Nutzungen von schwulen Dating-Apps ist in der Corona-Zeit auf jeden Fall stabil geblieben. Zumindest behauptet das Eric Silverberg, der Co-founder und CEO von SCRUFF in einem Artikel. Das Verhalten auf solchen Apps hat sich aber sicherlich für die verändert, die auf den „echten“ Kontakt weiterhin verzichten möchten. Vielleicht merken wir, dass wir jetzt anders flirten, weil der Sex zum ersten Mal an zweite Stelle geruckt ist. Es entzerrt auf jeden Fall die Sichtweise. Doch egal, wie oft wir Hand anlegen und wie viel digitalen Sex wir konsumieren, es kann und wird die Lücke nicht füllen können. Dennoch wird das Thema in der Community kaum offen ausgesprochen. Gehört es sich nicht offen zu sagen, dass der Sex fehlt?

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Egal, wie wir damit umgehen, finde ich es wichtig, dass wir alle offen darüber reden können. Wir haben das Bedürfnis körperliche Nähe zu erfahren. Wir können doch offen sagen, dass uns Sex fehlt ohne uns Sätze wie: „Wir haben derzeitig schlimmere Probleme“ anhören zu müssen. Es ist eine Chance, einen neuen Bezug zur eigenen Sexualität zu bekommen und Sex in der Öffentlichkeit einen anderen Stellenwert zukommen zu lassen. Wie gesagt, es passiert derzeitig viel in der Welt und wir müssen viel einstecken, doch die Geilheit kann man eben nicht einfach einstellen. / Berry

Bild: Dekkoo / Interested In Series