Die Beliebtheit der Social-Platform „OnlyFans“ nimmt enorm zu. Dabei hat die Seite eine neue Generation „heterosexueller“ Männer hervorgebracht, die für Geld pornografische Inhalte für ein schwules Publikum erstellen. Plötzlich ist Gay doch Okay!

Generell verbuchen Internetseiten mit pornografischen Inhalt einen großen Zuwachs, dank der Corona Krise. OnlyFans ist eine dieser Seiten. Hier kann jeder, also auch Du und ich, ein Profil erstellen und selbst gedrehte, pornografische Inhalte hochladen. Diese Inhalte können User nur sehen, wenn sie Deinen Kanal gegen Geld abonnieren.

Heteros produzieren Inhalte für Homos

So hat die Plattform richtige OnlyFans Stars hervorgebracht und einige Menschen reich gemacht. Der 26 jährige Ryan Yule ist im April 2018 OnlyFans beigetreten. Für 15 US-Dollar pro Monat konnte man sich pornografische Fotos und Videos von ihm angucken. Zunächst begann er unter anderem Videos hochzuladen, in denen er masturbierte. Dabei ist Ryan nur einer von vielen „heterosexuellen“ Männern, die explizite Inhalte für ihre meist schwulen Abonnenten hochladen.

Interessant ist, dass viele dieser Männer ihre Heterosexualität rein optisch bis ins Letzte ausüben. Sie sind sehr muskulös, tätowiert und verhalten sich oftmals wie richtige Machos. Eigentlich genau die Männer, die großen Abstand zur Homosexualität halten, weil ihre Männlichkeit ja doch sehr zerbrechlich zu sein scheint. Auf OnlyFans zeichnet sich aber genau das Gegenteil ab.

ICH HABE ZWEI MONATE LANG DIE PLATTFORM ONLYFANS GETESTET!

„Zum ersten Mal“

Wenn man sich diese Profile anschaut, nimmt es oftmals den selben Verlauf. Erst sieht man Fotos und Videos, wie sich diese Männer selbst befriedigen. Dann folgen die ersten Videos, in denen sie ihr Hinterteil und entsprechende Öffnungen in die Kamera halten. Natürlich auf Wunsch ihrer homosexuellen Zuschauer. Es folgen die ersten Videos, bei denen mit einem weiteren Mann gemeinsam masturbiert wird. Irgendwann fallen auch diese Hemmungen und die Männer probieren „zum ersten Mal“ gleichgeschlechtlichen sexuellen Kontakt aus. Sie befriedigen sich gegenseitig, sie benutzen Sexspielzeug für den Anal-Bereich oder holen sich homosexuelle Sexpartner dazu. Wohlgemerkt immer unter den Deckmantel „heterosexuell“ zu sein.

„oh ja, dieser Typ ist schwul‘, aber ich bin es nicht“

„Bei einigen Dingen, die ich in Fotoshootings und Videos gemacht habe, würde man sagen: ‚oh ja, dieser Typ ist schwul‘, aber ich bin es nicht – ich bediene nur meine Zielgruppe“, sagt Ryan Yule in einem Interview. Teilweise vereinigen sich männliche Influencer, um gemeinsam Videos für ihre Zuschauer zu drehen und ihre Profile gegenseitig zu promoten. Wenn gezahlt wird, muss man die Nachfrage decken.

„Gay for Pay“

Was sich negativ anhört, hat einen positiven Effekt. Natürlich werden viele von Euch jetzt sagen „Diese Männer sind schwul oder zumindest bisexuell“. Doch darum geht es nicht. OnlyFans verändert das Bild des heterosexuellen Mannes und zeigt, dass Männlichkeit nicht so zerbrechlich ist, wie es heterosexuelle Männer immer befürchten. Es bildet einen Rahmen, in dem heterosexuelle Männer frei mit ihrer Sexualität umgehen können. Diese Männer fühlen sich mit ihrer eigenen Sexualität so wohl, dass sie kein Problem damit haben, sich sexuell auf das gleiche Geschlecht einzulassen. Es ist eine Art neue Version von „Gay for Pay“. Männer, die für Geld Sex mit dem gleichen Geschlecht haben. Doch auf OnlyFans ist jeder sein eigener Chef. Man kann die Entwicklung beobachten und sieht, wie diese Männer immer weiter gehen und das oftmals mit Humor, Freude und einer Natürlichkeit, die alles andere, als toxisch ist. Für beide Seiten.

Diese Männer fühlen sich mit ihrer eigenen Sexualität so wohl

Dass Homosexualität keine Phase ist, weiß ein Großteil der Bevölkerung mittlerweile. Doch, dass „heterosexuelle“ Männer sich sexuell ohne Tabus auf einem breitem Spektrum bewegen dürfen ist in der Gesellschaft schwierig. Ob nun OnlyFans die perfekte Ausrede ist, um eine Freundin zu haben und dennoch schwulen Sex haben zu können bzw. sich weiterhin als heterosexuell Bezeichnen zu können, sei dahin gestellt. Es weicht zumindest die harten Fronten zwischen Hetero- und Homosexualität auf. Es ist ein möglicher Rahmen, um unter der Bezeichnung „Hetero“, doch etwas „Homo“ zu sein. Auch, wenn das oft auf Kosten der Homosexuellen passiert. Dennoch zeigen diese Profile, dass Sexualität ein Spektrum sein kann. Ein Fläche auf der sich jeder so bewegen darf, wie er möchte. / Berry

Bild: instagram/johnnhy/