UNORTHODOX

Die Netflix-Serie „Unorthodox“ hat keinen direkten LGBT+ Bezug, auch wenn homosexuelle Nebenrollen Teil der Geschichte sind. Dennoch ist eine Verbindung da, die sich auf das Leben von uns allen beziehen lässt: „Leben wir unser Leben oder das Leben Anderer? Eine Serie, die ich euch unbedingt empfehlen möchte.

Die Netflix-Serie „Unorthodox“ wurde nach dem Bestseller von Deborah Feldmans gedreht und handelt von einer jungen Jüdin, die ihrer strengen Community in New York zu entkommen versucht. Dabei landet sie ausgerechnet in Berlin. Dementsprechend wurde die jiddische Netflix-Serie auch in Berlin gedreht und hat mit Maria Schrader ein deutsche Regisseurin.

Zwischen Berlin und New York

In „Unorthodox“ geht es um den Stadtteil Williamsburg in New York, aus dem die Hauptfigur Esty (eindrucksvoll gespielt von der Israelin Shira Haas) entkommt und um das Jetzt in Berlin. Die Serie basiert auf einer wahren Geschichte. Deborah Feldman ist als ultrafromme Jüdin Teil der Satmarer Chassiden, die aus Ungarn stammen und hart vom deutschen Völkermord betroffen waren. Diese Gruppe fand nach dem Krieg einen Neuanfang in Amerika. Ihre Welt wird oft als Parallelgesellschaft bezeichnet, in der Frauen möglichst viele Kinder in die Welt setzten sollen, um den Verlust der sechs Millionen, im Holocaust ermordeten Juden, entgegen zu wirken.

Parallelgesellschaft

Esty schafft es aus dieser Parallelgesellschaft auszubrechen und findet in Berlin Anschluss an eine Gruppe von jungen Musikstudenten, die ihre neue Familien werden könnten. Dabei besticht die Serie nicht nur durch Shira Haas, sondern vor allem durch die Kunst, nicht über beide Welten zu urteilen. Zwar ist ihr altes Leben voller Regeln, Rituale und Zwänge, aber die Serie zeigt auch woher das kommt. Selbst ihr Ehemann, der von vielen Dingen keine Ahnung hat und für die Community steht, der Etsy ihren Rücken kehrt, hat ein gutes Herz und ist selber gefangen in dieser Welt, in die er hineingeboren wurde.

Eine bewegende Serie mit einer tollen Haupdarstellerin

Viele Szenen dieser Serie sind herrlich zweideutig und sehr bewegend. Am Anfang zum Beispiel, als Esty in den Wannsee taucht und ihre „Perücke“, die sie als ultrafromme Jüdin trägt, abnimmt. Sie steht für die vielen israelischen und amerikanischen Juden, die nach Berlin zurück gekommen sind. Etsy ist keine Einzelgeschichte, sondern eine Bewegung, die die geschichtliche Tragik der Stadt Berlin offen zeigt. Diese Serie geht unter die Haut, wenn man die vielen Hinweise auf unsere heutige Gesellschaft versteht. / Berry

Making of…

Bild: Anika Molnar/Netflix