Die neue Miley Cyrus Platte „Plastic Hearts“ bewegt sich zwischen Synth-Balladen und 80er-Pop. Was dem Album leider fehlt ist etwas weniger Plastik und etwas mehr Herz. Hier ist meine Review.

Der Moment in dem ich Miley Cyrus komplett verfallen bin, war sicherlich die „Bangerz“-Ära und die anschließende Tour. Das war vor sechs Jahren. Miley Cyrus verstand es, eine überproduzierte Show auf die Beine zu stellen, die an Kitsch nicht zu übertreffen war, aber durch die Person Miley viel Ironie in sich trug. Das kiffende Pop-Girl aus der Disney-Pop-Welt mischt die Industrie auf.

Schnell war klar, dass Miley Cyrus keine Pop-Prinzessin bleiben würde. Sie würde sich immer wieder neu erfinden, wie es Madonna getan hat. Auf ihrer „Bangerz-Tour“ coverte sie schon fleißig Bob Dylan, Led Zeppelin und Co. Gefühlt sehr zum Leid der anwesenden, sehr jungen Fans. Es zeigte damals schon ein wenig, wo es mit Miley Cyrus hingehen würde und welch „erwachsenen“ Musikgeschmack sie hat.

Sie machte immer ihr Ding

Auf „Miley Cyrus & Her Dead Petz“ war sie dann Indie und veröffentlichte ihr Album einfach auf Soundcloud for free. Sie machte ein cooles Country-Album, gefolgt von einer synthlastigen EP mit Gastauftritten von Ghostface Killah, Rae Sremmurds Swae Lee und RuPaul. Um es kurz zu machen: sie machte ihr Ding. Wenn auch nicht ganz so erfolgreich, wie bei „Bangerz“.

Nun folgt die nächste Ära, die mit „Midnight Sky“ einen grandiosen Start hinlegte. Der Song erinnert stark an Stevie Nicks 1981 Hit „Edge of Seventeen“, der später in einem Mashup-Remix mit Miley erschien. Man hat sich auf ein 80er Album gefreut. Zwar macht Miley Cyrus auf dem Albumcover (ihr schwächstes, meiner Meinung nach) auf 80s-Glam-Chick in Neonrosa auf Schwarz mit Lederhandschuhen und einem T-Shirt mit der Aufschrift „CENSORED“, doch das Album verfehlt leider die Illusion.

Die Feature auf dem Album zeigen ganz deutlich den Zwiespalt der Platte. Vom 80er-Jahre-Star Billy Idol und Joan Jett bis Dua Lipa. So unentschlossen ist auch das Zusammenspielt der Songs. Balladen, die auf „Younger Now“ besser platziert gewesen wären, über ABBA-artigen Synthesizern, bis hin zu Mainstream-Pop, der auf die breite Masse zugeschnitten wurde. Es wirkt ein wenig, als würde Miley Cyrus unentschlossen durch ihren eigenen Musikgeschmack irren.

Kompromisse für die Masse

Die angestrebten 80er klingen teilweise so, wie man es in 2020 erwarten würden und weniger, wie sie eine Künstlerin, wie Miley Cyrus, sie hätte zu eigen machen können. Trotz der Verzerrung hat das Album dennoch Highlights. Die Singles „Midnight Sky“ und „Prisoner“ sind tatsächlich die stärksten Nummern. „Never Be Me“ und „Gimme What I Want“ sind gelungener Synthie-Pop Tracks und „WTF Do I Know“ ist ein grandioser Start für das Album. „Bad Karma“ wurde von Mark Ronson produziert und ist einer der Songs, die es wirklich schaffen, den 80s gerecht zu werden.

„Plastik Heart“ ist kein schlechtes Album, aber es ist ein Album voller Kompromisse, weil Miley Cyrus nicht den ganzen Weg gegangen ist, wie es Dua Lipa mit „Future Nostalgia“ oder Kylie Minogue mit „Disco“ getan haben. Es wirkt so, als wäre sie für dieses Album gefiltert worden. Man musste ihren Musikgeschmack der breiten Masse zugänglich machen, damit es nicht so wenig Zuspruch, wie „Younger Now“ findet. Deswegen wird „Plastik Hearts“ der großen Miley Cyrus nicht gerecht, denn sie ist am besten, wenn sie eben 100 % ihr Ding macht. / Berry

Bilder: Sony Music Germany