Selber Hand anlegen ist oftmals ein Tabuthema und zugleich eine sehr private Angelegenheit. Zumindest im klassischen Sinne. Der Trend zum Masturbieren mit dem besten Freund oder in sogenannten „Jerk-Off-Clubs“ nimmt jedoch immer mehr und mehr zu.

Dabei ist es kein rein homosexuelles Ding, was nur unter schwulen Männer abläuft. Heterosexuelle Männer gehen immer häufiger zur Gruppen-Masturbation. In Seattle oder New York werden Männer zu den „Rain City Jacks“ eingeladen, wo sie „offen und sicher in einer einzigartig sexpositiven, nicht diskriminierenden und gegenseitig respektvollen Gemeinschaft masturbieren können“.

In machen Fällen wird es als eine Art Kompromiss gesehen

Die Events werden organisiert, damit Männer gemeinsam das tun, was jeder eigentlich bis dato für sich getan hat. Masturbation kann ein Ritual sein, ein Stress- und Druckabbau, eine Flucht aus dem Alltag oder die fiktive Erfüllung von Sehnsüchten, die im realen Leben nicht erfüllt werden. Doch worin liegt der Reiz mit einem Freund zu wichsen oder es in einer Gruppe zu tun?

Wie die GQ berichtete, sind die Masturbations-Treffen gemischt mit homo- und heterosexuellen Männern. Bei Männern, die Sex mit Männern haben, wird gegenseitige Masturbation oft als sexuelles Nebenprodukt und weniger als eigenständige Sexhandlung angesehen. In machen Fällen ist es eine Art Kompromiss. Wenn z.B. beide zu müde für Sex waren, haben sie eben „einfach nur gewichst“. Heterosexuelle Männer beschreiben es hingegen weniger als homosexuelle Handlung, sondern viel mehr als „Es ist kein Sex, wir sind nur Männer“-Ding.

Für einige Männer ist es ein wichtiger Teil ihres Sexuallebens

Um die Anziehungskraft gegenseitiger Masturbation in Gesellschaft anderer Männer zu verstehen, hat John Sherman von BuzzFeed Männer gesucht, für die gemeinsames Wichsen ein wichtiger Teil eines ausgeglichenen Sexuallebens ist. „Ich sprach mit Männern, die ihre Anziehungskraft für gegenseitige Masturbation mit einigen ihrer frühesten Erinnerungen an seltsame Begierden in Verbindung brachten. Männer, die anfingen, sich nach Freunden umzusehen, um sich mit „heterosexuellen“ Männern zu treffen. Männer, die es einfach für eine sicherere und einfachere Alternative zu anderen Arten von Sex halten“, schreibt er in seinem Artikel.

Gegenseitige Masturbation ist Sex mit sich selbst zusammen mit anderen Menschen, die auch Sex mit sich selbst haben. Auf diese Weise kann gegenseitiges masturbieren durch eine bestimmte Grenze der körperlichen Intimität ein sicherer Weg der Befriedigung sein. Auch wenn wir alle wissen, dass für viele Küssen oder Oralsex dazu gehören, gibt es viele Männer, die diese klare Grenze brauchen. Sie sehen es als gegenseitige Handarbeit und weniger als sexuelle Romantik.

Die ultimative Form der männlichen Bindung

Eine jährliche Umfrage von „Rain City Jacks“ ergab, dass sich rund 10 Prozent der rund 300 Mitglieder, die regelmäßig mit anderen Männern wichsen, als heterosexuell identifizieren. „Manchmal kann man sagen, dass ein Kerl hetero ist, weil er nicht daran interessiert ist, einen anderen Kerl zu küssen. Es fällt ihm leicht, sich auf den Penis zu konzentrieren, aber nicht körperlich liebevoll zu sein. Sie mögen keine romantische Anziehungskraft auf andere Männer haben, aber wir haben ihnen grünes Licht gegeben, um zu experimentieren. Den Penis eines anderen Mannes zu berühren, die Freude miteinander zu teilen. Ich höre oft, dass dies die ultimative Form der männlichen Bindung ist“ sagt Rain City Jacks Gründer Paul Rosenberg gegenüber der GQ.

Man kann sich im Rahmen eines abgeklärten sexuellen Konzepts zusammen vergnügen

Ähnlich ist es beim wichsen mit dem besten Freund. Man kann sich im Rahmen eines abgeklärten sexuellen Konzepts zusammen vergnügen ohne zu intim zu werden und ohne eine Verbindlichkeit zu schaffen. Zudem ist es hier egal, ob beide Männer aktiv oder passiv sind. „Für Männer, die es einfacher finden, von Hand zu kommen, als durch Eindringen, kann es sehr befreiend sein, mit anderen Menschen zusammen zu sein, die sich möglicherweise in der selben Situation befinden“, sagt Dr. Gloria Brame, eine Sexologin, und bemerkt auch den zusätzlichen Nervenkitzel des Exhibitionismus.

Die Zeiten, in denen Kindern erzählt wurde, sie würden vom wichsen blind werden oder in der Hölle landen, sind lange vorbei. Selbstbefriedigung kommt immer mehr in der Gesellschaft an. Nicht zuletzt auch, weil die Frauen in diesem Themengebiet immer mehr mitmischen und es thematisieren. Und sicherlich gehört die gemeinsame Masturbation unter Männern in Zukunft auch immer mehr dazu. Also, da kann man doch ruhig mal Hand anlegen. Egal ob alleine oder in Gesellschaft anderer. / Berry

Bild: Hollywood Tramp