THE DEATH AND LIFE OF MARSHA P. JOHNSON, Marsha P. Johnson, 2017. ©Netflix/courtesy Everett Collection

Johnson wurde 1945 geboren und wuchs in Elizabeth, New Jersey, auf. In einem Interview von 1992 sagte sie, sie habe im Alter von 5 Jahren angefangen, Kleider zu tragen, habe aber aufgehört, nachdem sie gehänselt worden war. Heute ist sie eine der Figuren für den Kampf der LGBT+ Community.

In einem Jahr, in dem weltweit die Pride Veranstaltungen größtenteils ausfallen und parallel eine große Diskussion um das Thema „Rassismus“ geführt wird, bekommt die Figur und Person Marsha P. Johnson eine Symbolik, der erneut eine leitende Funktion zukommt. Beschrieben wird Marsha P. Johnson’s als US-amerikanische Dragqueen, Sexarbeiterin und Aktivistin der LGBT-Bewegung. Sie war ab den 1960er Jahren eine beliebte Figur der New Yorker Schwulen- und Kunstszene und war 1969 an den Stonewall-Unruhen beteiligt. Doch sie ist mehr, als das.

Sobald sie die High School abgeschlossen hatte, ging sie mit einer Tüte Kleidung und 15 Dollar nach New York, sagte sie. Obwohl Greenwich Village zu dieser Zeit einer der tolerantesten Orte für LGBT-Menschen war, wurden Menschen, die sich nicht an sexuelle Normen hielten, von der Polizei häufig belästigte. Menschen wie Johnson – also Schwule, Lesben und Transgender – hatten keinen Aussichten auf einen Job und waren obdachlos und verdienten ihr Geld durch Prostitution.

POWER TO THE PEOPLE

Marsha P. Johnson war auffällig. Sie trug selbstgemachte Outfits und schmückte ihre Haare mit Blumen, Früchten und sogar Weihnachtslichtern. Es gibt viele Bilder von ihr, die heute weltbekannt sind. So sieht man sie bei einem Protest in 1970 vor dem Bellevue Hospital, in dem Ärzte Schockbehandlungen einsetzten, um Homosexuelle zu „heilen“. In einem übergroßen Pelzmantel und Zigarette in der Hand hält sie ein Plakat mit der Aufschrift „POWER TO THE PEOPLE“ ind er Hand. Mit „People“ meinte sie queere Leute, Transfrauen, Drag Queens, Sexarbeiterinnen, Arme, Obdachlose und diejenigen, die mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen hatten. Heute ist das Bild legendär, weil es eines der wenigen Fotos ist, auf denen Marsha P. Johnson nicht lächelt. Vielleicht eines der ehrlichsten Schnappschüsse.

Stonewall war der Anfang einer Bewegung

Am 28. Juni 1969 war sie im Schwulenlokal „The Stonewall Inn“, als die Polizei in diesem eine Razzia durchführte, die zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Besuchern des Lokals und der Polizei führten. Johnson soll gemeinsam mit Sylvia Rivera, die heute ebenfalls zu einer der großen Figuren der Bewegung geworden ist, und anderen maßgeblich zum Start der Unruhen beigetragen haben. 1970 gründeten sie und Sylvia Rivera gemeinsam die Aktivistengruppe Street Transvestite Action Revolutionaries (STAR), um obdachlose Transgender-Personen und Drag Queens zu unterstützen. Johnson wurde auch Aktivistin in der Gay Liberation Front.

Johnson wurde am 6. Juli 1992 tot im Hudson River aufgefunden. Ihr Tod war umstritten, denn die Polizei stufte es als Suizid ein. Freunde und Bekannte von Johnson äußerten Zweifel an der Einstufung. 2002 wurde die Einstufung rückgängig gemacht und der Todesfall gilt seitdem als „ungeklärt“. Viele sprechen davon, dass Marsha P. Johnson ermordet wurde.

Eine wichtige Figur, auch für die heutige Zeit

Die „Stonewall“-Ereignisse gelten gemeinhin als Beginn der organisierten LGBTQ+ Bewegung und Marsha P. Johnson ist eine der Personen, die sich der Polizei widersetzte und diese Bewegung somit einleitete. Die damalige Bewegung war kämpferisch, unabhängig und ihre Bedeutung nimmt besonders jetzt wieder zu. Auch heute, mehr als 50 Jahre nach Stonewall, diskutieren wir über Rassismus und Homophobie und das, obwohl vor mehr als 50 Jahren schwarze Dragqueens, Transfrauen usw. genau den gleichen Kampf geführt haben.

Dass es bei der Geschichte von Marsha P. Johnson auch um eine Frage der Kultur geht, zeigte der Skandal rund um den Netflix-Dokumentarfilm „The Death and Live of Marsha P. Johnson“. Die Künstlerin und Aktivistin Reina Gossett behauptete nämlich, der Netflix-Film sei ein Plagiat ihrer eigenen Arbeit. „Es geht darum, inwieweit sich eine weiße Kulturindustrie das Schaffen Schwarzer und queerer Künst­ler aneignet und verkauft“ schriebt die Taz in einem Artikel dazu.

Wer sich dennoch mit der Story rund um Marsha P. Johnson befassen möchte, sollte sich die Netflix-Doku für einen ersten Einblick ruhig ansehen. Auch wenn die Doku eher den Fokus auf ihren Tod und weniger auf ihren Kampf zu Lebzeiten hat. Es gibt auf YouTube aber auch weitere, kostenfreie Dokus rund um Marsha P. Johnson wie z.B. „Pay It No Mind – The Life and Times of Marsha P. Johnson“, die sehr sehenswert sind und nicht ganz wie TrueCrime wirken. / Berry

Bild: ©Netflix/courtesy Everett Collection