Kelly Clarkson beginnt eine neue Era mit dem Album „Meaning of Life“

Vor 15 Jahren hat eine junge Dame mit dem Namen Kelly Clarkson die erste Staffel von „American Idol“ gewonnen. Das war eine Zeit, in der sich keiner bewusst war, dass die meisten der folgenden Gewinner, auch direkt wieder im Nichts verschwinden werden. 15 Jahre später hat Kelly Clarkson, als eine der wenigen Sängerinnen aus diesem Casting-Format, eine lange Karriere und einen langen Kampf hinter sich. Auf „Meaning of Life“ schüttelt sie das Alte ab und beginnt neu. 

Es ist ihr siebtes Studioalbum, seit ihrem Sieg bei American Idol. Nur die Wenigsten bringen heute noch den Begriff „Casting“ mit Kelly Clarkson in Verbindung, denn sie hat viele Hits mit ihren Alben feiern können und sich zu einer eigenständigen Größe entwickelt. Sie hat die Pop-Landschaft immer in zuverlässigen Abständen bedient und war immer im schmalen Grad zwischen Künstlerin und Pop-Marionette. Bis jetzt! Das „A Minute“-Intro des neuen Albums, übrigens das erste Intro ihrer Karriere, markiert genau diesen Punkt: „Ich brauche eine Minute in meiner Zone, wo ich sagen kann, was ich will“. Dazu muss man wissen, dass „Meaning of Life“ das erste Clarkson Album ist, nachdem sie aus ihrem bei „American Idol“ gemachten Deal mit RCA Records raus ist. Diesen Deal hat sie oftmals als „unglückliche Ehe“ bezeichnet und somit ist „A Minute“ mehr als nur ein Intro. Sie ist nun raus, frei und lässt den auf sie zugeschnittenen Pop-Rock bei Seite. 

Echtheit, statt Massenproduktion

In 15 Jahren ist Kelly Clarkson zu einer Mutter und starken Frau herangewachsen. Sie schüttelt den Pop-Rock ab und bietet auf ihrer neuen Platte Pop-Soul, wie es Aretha Franklin heute tun würde, wenn sie in Kelly´s Alter wäre. Die erste Single „Love So Soft“ legt den musikalischen Teppich des Albums aus. Mit „Heat“ geht es positiv und energetisch weiter. „Heat“ hat übrigens das absolute Potential als Single und ist ein stärkerer Ohrwurm, als „Love So Soft“. Ein Feel-Good-Song. Der Titelsong „Meaning of Life“ war zugleich der erste Song für das Album und damit war auch die neue Richtung klar, sagte Kelly gegenüber dem Rolling Stone. „Meaning of Life“ hat den größten 60er-Jahre Soul-Vibe, den das Album generell trägt. Ruhiger wird es dann mit „Move You“, bei dem Kelly Clarkson ungewohnt ruhig singt, um dann ihre Stimme in einem Chor zu öffnen und das Gefühl vermittelt, mit uns allen dem Himmel entgegen zu schweben. „Whole Lotta Woman“ hätte man auch auf dem aktuellen Kesha Album „Rainbow“ finden können. Hier mischt sich Country mit Soul und auch die Vocals von Kelly sind anders, als gewohnt. Sicherlich der tanzbarste Song auf der Platte und vielleicht das „Miss Independent“ 2017. „Medicine“ hört sich etwas nach der alten Mariah gepaart mit der 80er Whitney an. Es ist tanzbar wie Mariah´s „Emotions“ und kraftvoll, wie Whitney´s „How Will I Know“. Mit „Cruel“ wird es wieder ruhiger. Zwar gibt sie hier stimmlich alles, aber zugleich ist „Cruel“ auch die erste Nummer auf „Meaning of Life“, die am stärksten in die alte Kelly Richtung geht und gewohnt klingt. Größer arrangiert ist „Didn´t I“ mit Trompeten und Orgel. Kelly klagt an und fragt, ob sie nicht alles gegeben hat? „Would You Call It Love“ ist wiederum etwas dunkler und erfrischt an dieser Stelle total, weil es zum Ende des Albums nochmal eine andere Note rein bringt. „I Don´t Think About You“ ist eine typische Kelly Clarkson Ballade, die auf alle ihrer Vorgänger-Alben gepasst hätte. Vielleicht auch ein Notfallplan für eine mögliche Single, falls der neue RnB-Pop-Sound nicht ankommt. „Slow Dance“ und „Don´t You Pretend“ gehen wieder sehr stark in die 60er Jahre und erinnern etwas an Rihanna´s „Love on the Brain“. Beendet wird das Album mit der starken Hymne „Go High“. Spätestens jetzt ist klar, dass „Meaning of Life“ erst der Anfang einer neuen Reise für Kelly Clarkson ist. Auch stimmlich bietet dieser Song ganz neue Seiten mit Effekten, die man sonst nicht bei Kelly Clarkson gewohnt ist. Stilistisch sicherlich die futuristischste Nummer. 

Die neue Kelly lebt!

Mit „Meaning of Life“ zeigt Kelly Clarkson gesanglich, dass sie eine Mariah Carey in Grund und Boden singen kann. Sie ist im Grunde in der Adele-Liga, doch irgendwie scheint das noch keiner so richtig erkannt zu haben. Sie ist eine der stärksten Sängerinnen unserer Zeit und ich glaube, dass sie mit diesem Album eine neue „Era“ eingeleitet hat, die sie noch höher bringen könnte. Für mich ist „Meaning of Life“ ihr ehrlichstes und bestes Album ihrer Karriere, weil man das Leben in ihrer Stimme hört. Man spürt, dass es ein Album ist, das sie schon immer machen wollte, aber nicht durfte. 

„Meaning of Life“ erscheint am 27.10.2017. 

Bild: Warner Music Germany