In dem Kleinstaat Brunei ist am Mittwoch dem 03. April 2019 ein Gesetz in Kraft getreten, bei dem gleichgeschlechtlicher Sex im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe durch Steinigung bestraft wird. Bislang standen auf Homosexualität in Brunei zehn Jahre Haft. Nun rufen viele Prominente zum Boykott auf.

Ich komme aus einem Land, in dem Homosexuellen die Todesstrafe droht und somit bricht es mir das Herz, wenn im Jahr 2019 ein Land solch ein Gesetz einführt, anstatt es abzuschaffen. Hollywood-Star George Clooney hatte dann zu einem Boykott der Luxushotels des Sultans von Brunei aufgerufen, zu denen u.a. auch das Beverly Hills Hotel in L.A. zählt (siehe Foto). Seitdem rufen immer mehr Prominente und User auf den Social Media Plattformen zum Boykott dieser Hotels auf, doch dort liegt nicht das eigentlich Problem und somit auch nicht die Lösung.

Sultan von Brunei ist nur das Gesicht einer weit verbreiteten Überzeugung

Das neue Gesetz von Brunei ist kein „Luxushotel“-Problem, welches ein einzelner Sultan verursacht hat. Es ist ein muslimisches Problem, das in dieser Region, samt ihrer Nachbarstaaten, verbreitet ist. Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, soll Sultan Hassanal Bolkiah in einer Fernsehansprache gesagt haben, dass er „die Lehren des Islams verstärkt wachsen sehen“ will. Und da liegt die Rechtfertigung für diese Menschenrechtsverachtenden Gesetze, die immer ihren Ursprung im Glauben und in der Religion zu finden scheinen.

Der Boykott geht nun viral. Eine Art, wie der Westen mit solchen Dingen umgeht. Man teilt seine Solidarität, in dem man der Masse folgt und einfach zum Boykott der neun Luxushotels, die dem Sultan von Brunei gehören, aufruft. Morgen ist es dann die nächste Schlagzeile oder der nächste Hashtag, der für paar Tage das Netz bestimmt. Über den Tellerrand blicken, wollen hier nur die Wenigsten, denn man hat ja mit dem Post nun etwas „Gutes“ getan. So gehen wir gerne mit solchen Dingen um, ohne es groß zu hinterfragen. Natürlich ist ein Boykott an dieser Stelle nicht verkehrt, denn wozu solchen Leuten Geld zuschieben und zudem bekommt das Thema dadurch derzeitig eine Sichtbarkeit in den Medien? Aber es ist eben nicht die Lösung und man muss weiter denken.

Ein Boykott ist nur ein kleiner Nebeneffekt

Ein Boykott ist im Grunde nicht wirklich effektiv. Selbst wenn das Gesetz wieder gekippt wird, weil dem Sultan Umsatzeinbuße durch den Boykott drohen, ändert das nichts an der Sichtweise dieser Länder in Bezug auf Homosexualität. Mal davon abgesehen, dürfte der Boykott den schwerreichen Sultan Hassanal Bolkiah kaum finanziell treffen, da die Hotels nur ein Bruchteil seines Einkommens bzw. Vermögens ausmachen. immerhin gehört er zu einem der reichsten Menschen der Welt. Viel wichtiger ist es, das Problem an der Wurzel zu packen. Denn selbst wenn das Gesetz wieder abgeschafft wird, können Homosexuelle in Brunei nicht frei auf die Strasse gehen, weil der Islam in der Gesellschaft tief verankert ist und das nicht zulässt.

Was ist mit anderen Ländern?

Die Todesstrafe auf homosexuelle Handlungen gibt es zudem nicht nur in Brunei. Im Iran (meiner Heimat) herrscht das Gesetz seit Jahrzehnten, so wie auch in Saudi Arabien. Müssten wir dann nicht auch Produkte oder Einrichtungen aus diesen Ländern boykottieren? Ist es dann okay, als Homosexueller Urlaub an Orten wie Dubai zu machen? Ab wann macht Boykott wirklich Sinn und wann nicht? Diese Frage muss man sich an dieser Stelle ernsthaft stellen, denn dann erkennt man auch, wie viele Homophobe Orte es wirklich auf diesem Planeten gibt und wie viele Dinge wir übersehen.

Der Boykott dieser Länder müsste durch die westlichen Länder und ihre Regierung geschehen. Zwar wird Brunei derzeitig von vielen Staaten für das neue Gesetz stark verurteilt, u.a. auch von Uno-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet, die die Strafen als „grausam und unmenschlich“ bezeichnete. Aber Sanktionen gibt es keine, was sicherlich auch daran liegen mag, dass Brunei wegen seines Ölvorkommen als eines der reichsten Länder der Welt gilt. Auch der Iran und Saudi Arabien fördern und exportieren Öl.

Die Mainstream Medien berichten nicht umfangreich

Das Problem ist, dass homosexuelle Handlungen in solchen Ländern als Straftat angesehen werden und das war auch vor diesem Mittwoch in Brunei so. Bis dato wurden homosexuelle Handlungen mit bis zu 10 Jahren Haft bestraft. Man hätte diese Hotels also schon lange boykottieren müssen, wenn man es genau nehmen will. Viel wichtiger ist es, dass über das Leben und die Schicksale dieser Menschen berichtet wird. Ich stelle mir immer wieder die Frage, ob ich noch leben würde, wenn meine Eltern nicht nach Deutschland geflohen wären? Diese Geschichten müssen erzählt werden, aber die Mainstream Medien interessieren sich kaum dafür und so wird sicherlich auch diese Story in paar Tagen wieder vergessen sei. / Berry

Bild: Hollywood Tramp