Besonders dieses Jahr schaut die LGBTQ+ Community sehr kritisch auf große Firmen, die sich zur CSD-Saison besonders offen zeigen wollen. Viel zu viele schwarze Schafe nutzen die Zugkraft der Community gezielt zum Pride aus und legen das Thema anschließend für zehn Monate weg. Macht die Deutsche Bahn da etwas entscheidend anders?

Die Deutsche Bahn hatte 2016 schonmal einen viralen Werbespot, der das Thema Homosexualität im Sport aufgriff. Zunächst soll der Zuschauer davon ausgehen, dass es sich um reine Fanliebe handelt. Ein junger Mann feiert seine Lieblingsmannschaft bzw. seinen Lieblingsspieler. Erst am Ende des Clips wird klar, dass er kein Fan ist, sondern der Liebhaber oder Partner des Profispielers. Ein schwules Liebespaar in der Bundesliga? Der Clip kam sehr gut an.

Die Bahn kontert gekonnt!

Jedes Jahr setzen immer mehr Unternehmen ein Zeichen für Vielfalt. So auch die Deutsche Bahn und das nicht erst seit jetzt. Zur Global-Pride-Veranstaltung am 27. Juni twitterte die Bahn eine Regenbogenflagge aus Herzchen-Emojis. Der AfD-Politiker Gunnar Lindemann antwortet auf diesen Post: “Das erklärt natürlich ihre regelmäßigen Verspätungen.” Zudem unterstellte er dem Unternehmen eine “linksextremistische Gesinnung”. Die Bahn antwortete und diese Antwort ging viral: “Das zeigt einfach nur, dass wir alle Menschen akzeptieren und respektieren. Sollten Sie vielleicht auch mal ausprobieren.”

Seit dieser Woche präsentiert die Bahn nun ihre Kampagne für die LGBT+ Community. In einem Werbespot diverse LGBT+ Bahnkunden in den unterschiedlichsten Lebenssituationen zu sehen. Der Spot endet mit dem Satz “Pride ist jeden Tag” und den Worten: “Willkommen, du passt zu uns.” Zu sehen ist zudem ein IC in Regenbogenfarben mit dem Schriftzug: “Take a Pride Ride”. Der Clou: Diesen Zug gibt es laut der Bahn tatsächlich im Einsatz und er wird in ganz Deutschland unterwegs sein. Zusätzlich weht bundesweit an 63 Bahnhöfen und DB-Bürogebäuden die Regenbogenflagge. Doch damit nicht genug. Das die Bahn auch außerhalb der Pride-Zeit für Vielfalt steht, soll im Herbst im Rahmen einer “Woche der Vielfalt” gezeigt werden.

Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht

Im Netz kommt die Kampagne überwiegend gut an. Die meiste Kritik kommt, wie so oft, aus der Community selbst. Ich muss auch ehrlich sagen, dass mir der Clip an sich viel zu viele Klischees bedient und besonders der Schaffner im Kleid am Ende wirkt leider nicht so, wie es sicherlich gedacht war. Dennoch ist es wichtig, dass große Unternehmen, wie die Bahn, ein Zeichen setzten. Sie erreichen die breite Masse und selbst, wenn der Clip leicht den Ton verfehlt, kann man es vielleicht im nächsten Jahr noch eine Runde besser machen. Ich bin gespannt, wie der Clip bei euch ankommt? / Berry

Bild: Deutsche Bahn