Die Musikszene wandelt sich und der Hip Hop muss sich nun mit seinen queeren Superstars auseinandersetzten. Bei den Grammys waren Lil Nas X und auch Tyler, The Creator zwei Paradebeispiele dafür, dass dieses Musikgenre nicht mehr maskulin und straight sein muss.

Rap und Hip Hop sind oft in ein homophobes Feld gerückt und auch wenn nicht jeder Rapper homophob ist, wurde schon immer mit dem Thema Homosexualität kokettiert. Das Thema war immer da, weil Dinge denen eine reine erzwungene Männlichkeit zugesprochen wird – wie im Gefängnis, beim Männer-Fußball und eben der Rap und Hip Hop Szene – immer eine gewisse homosexuelle Nuance enthalten.

Zwar sind Künstler, wie Lil Nax X und Tyler The Creator nicht die ersten queeren Hip Hopper dieser Welt, aber sie markiere eine interessante neue Zeit für dieses Gerne. Sie bedienen das Macho- und Macker-Gehabe, das im Hip-Hop jedes Klischee bedient und stehen parallel mit ihrer Optik und ihrer Performance für nicht festgelegte Geschlechterrollen oder ein für den Hip Hop eher untypisches Erscheinungsbild.

Bemerkenswert ist auch, dass Künstler wie Frank Ocean, Tyler, The Creator und Lil Nas X ihr „outing“ vor dem großen Erfolg hatten. Ellen DeGeneres, die Lil Nas X letztes Jahr in ihrer Talkshow begrüßte, betonte mit Nachdruck, dass sein Outing noch vor dem Höhepunkt des Erfolgs von „Old Town Road“, der wirklich andauerte, stattfand. Heute ist der Song die längste Chartnummer in der Geschichte des Billboard Hot 100. DeGeneres sagte, dass Lil Nas X durch das Outing zu einer Inspiration für Millionen junger Menschen auf der ganzen Welt wurde.

Auch bei Frank Ocean deutete sich der Durchbruch erst an und dennoch ging er offen mit seiner sexuellen Orientierung um. Ein riskantes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass besonders in dieser Szene eine Sensibilität für das Thema fehlte und die Karriere vorbei sein hätte können, noch bevor sie begonnen hat. Durch diesen frühen Zeitpunkt ihres Outings könnte man fast schon sagen, dass es eine Beiläufigkeit ihrer Karriere ist. Zwar setzten sie alle damit einen Rahmen für die Bedeutung ihrer Kunst, aber ihre sexuelle Orientierung bestimmt nicht ihr Dasein als Rapper.

Wenn man sich die Auftritte und das Erscheinungsbild von Lil Nas X und Tyler, The Creator bei den diesjährigen Grammys anschaut, so kann man sagen, dass sie den Hip Hop auf eine natürlich Art und Weise auf den Kopf stellen. Es funktioniert und man hat das Gefühl, dass der Hip Hop bereit für diese Künstler sein muss, denn sie haben die Grammys dominiert und dominieren die Streams. Das hat der Hip Hop gebraucht. Besonders in den USA. / Berry

Bild: instagram/lilnasx