Ist dir schonmal aufgefallen, dass es seit Pitbulls´s „Timber“ im Jahr 2013 mit Kesha als Feature, sehr ruhig um die Sängerin geworden ist? In den USA sorgt die Sängerin seither für viele Schlagzeilen, doch hierzulande hat kaum jemand mitbekommen, warum es so ruhig um sie geworden ist. Dabei ist das, was seither zwischen Kesha und ihrem Plattenlabel Sony passiert ist, mehr als erschreckend.  

Kesha

Die Sängerin hat ihren Produzenten Dr. Luke sexuelle Belästigung vorgeworfen und durfte seither keine Musik mehr veröffentlichen. Ihren Durchbruch hatte die heute 28-Jährigen mit dem Hit „TikTok“, der bis heute zu einer der meistverkauftesten digitalen Singles der Musikgeschichte zählt. Bis 2012 und ihrem zweiten Album „Warrior“ lief es für Kesha gut, doch dann begann der Albtraum. 2014 erstattet sie Anzeige gegen ihren Produzenten Dr. Luke. Er solle sie in den zehn Jahren, in denen sie zusammen gearbeitet hatten, mehrfach verbal, körperlich und auch sexuell misshandelt haben. Er streitet dies ab und behauptet, Kesha wolle unter diesem Vorwand nur aus ihrem Vertrag raus. Laut des Vertrages schuldet Kesha der Plattenfirma „Kemosabe Records“, das zu Sony gehört, noch weitere vier Alben. 

Nun hat ein Gericht am 19. Februar 2016 entscheiden, dass der Vertrag nicht aufgelöst wird. Die Bilder von Kesha, die in Tränen zusammenbricht, gehen derzeitig weltweit durch die Presse. Laut „billboard.com“ begründet das die Richterin mit dem Argument, dass Kesha den Vertrag mit dem Label auch ohne Dr. Luke als Produzent weiterführen könne. Zudem seien die Missbrauchsvorwürfe nicht ausreichend medizinisch belegt, da Atteste fehlen. 

Bei den Anschuldigungen geht es erneut darum, dass mächtige Männer ihre Position im Showbusiness ausnutzen und das kommt häufiger vor, als wir es mitbekommen. Lady Gaga berichtete in einem Interview, dass sie mit 19 Jahren von einem Plattenfirmenmitarbeiter vergewaltigt worden sei. Taylor Swift hat eine Klage gegen einen Radiomoderatoren am laufen, der sie unsittlich angefasst haben soll. Auch Dr.Dre soll Fernsehjournalistin Dee Barnes verprügelt haben. Von Barnes hörte man nach den Anschuldigungen nichts mehr, während es für Dr.Dre munter rund lief. So auch bei Kesha. Während sie keine eigene Musik veröffentlichen oder performen darf, produziert Dr. Luke fleißig weiter und das auch mit anderen großen weiblichen Stars wie Katy Perry oder Nicki Minaj. 

Fans und Prominente sprechen Kesha unter dem Hashtag #FreeKesha Mut zu. Stars wie Lady Gaga, Kelly Clarkson und Ariana Grande twitterten ihren Zuspruch. Der Aufschrei ist groß und dennoch halten sich viele bedeckt und schweigen das Thema unter den Teppich. Anna Breslaw, eine Journalistin, die für die amerikanische Ausgabe der Cosmopolitan arbeitet, hat genau das in einem Tweet thematisiert und dieser sorgt für reichlich Zündstoff in der ganzen Diskussion: „#FreeKesha zeigt ganz deutlich, dass bestimmte Pop Stars sich nur als „Feministin“ bezeichnen, weil dies ihrer Marke gut tut“. Breslaw nennt keine Namen, doch tatsächlich muss man sich fragen, warum viele große Stars nichts zu dem Thema sagen. Besonders auffällig ist, dass viele der Sängerinnen, die öffentlich zu Kesha halten, nicht beim selben Plattenlabel sind. Es ist ein heikles Thema und sicherlich sagen viele lieber nichts, als dass sie etwas Falsches sagen. Zumal die Vorwürfe von Kesha bis heute nicht mehr als Aussage gegen Aussage sind. 

Dennoch ist es erschreckend, dass eine Musikerin gegen ihren Willen, und anscheinend beruht dies auf Gegenseitigkeit von Seiten des Labels, ihre Stimme, Kunst und Freiheit an eine Firma abgeben muss und die ganze Karriere dadurch verliert. Es ist eine traurige Geschichte über eine Karriere, die eventuell zu Ende geht, nur weil jemand die unbequeme Wahrheit ausgesprochen hat, aber nicht auf dem richtigen Chefsessel saß. 

 

Foto: By Peter Neill [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

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