Ava Max kenne die meisten Menschen durch ihren Mega-Hit „Sweet But Psycho“. Sie sollte die neue Lady Gaga und leider blieben die großen Hits im Anschluss aus. Sicherlich auch dank Covid. Stellt sich die Frage, ob sie nun mit ihrem Debütalbum „Heaven & Hell“ den Pop Olymp erklimmen kann?

Als ich letztes Jahr Ava Max zum Interview traf, warnte sie mich direkt vor und sagte: „Vorsicht, ich bin super strange“. Ich bin ja der festen Überzeugung, dass jeder guter Musiker einen Knall haben muss, um ein Genie zu sein oder eben einen Schritt einzigartiger, als der Rest zu sein. Das ist Ava Max. Nach Dua Lipas „Future Nostalgia“ und Lady Gagas „Chromatica“, könnte nun ein weiteres Pop Album die Musiklandschaft von 2020 beglücken.

„Heaven & Hell“ ist, wie ein Album der alten Schule, in zwei Seiten aufgeteilt. Wer noch Schallplatten kennt, wird das Prinzip verstehen. Die erste Hälfte ist Pop-getrieben und sorglos, während die zweite Seite eine dunklere Seite von Ava Max zeigt. Dennoch sind alle 15 Tracks durch und durch im Pop angesiedelt. Nicht eine einzige Ballade ist auf dem Debütalbum zu finden, was ich sehr bemerkenswert finde. Ava Max hat jeden Song auf „Heaven & Hell“ zudem mitgeschrieben und hatte Produzenten wie Cirkut, RedOne, Charlie Puth und anderen am Bord.

Sie predigt Feminismus ganz subtil auf jedem Song

Der elektronische Opener „H.E.A.V.E.N“ gibt auch direkt den Ton für das Album an, gefolgt vom königlichen Ohrwurm „Kings & Queens“. Auf „Naked“ zeigt Ava Max ihre kraftvolle und theatralische Stimme. Sie predigt Feminismus ganz subtil auf jedem Song. „Tattoo“ ist eine Homage an alle Außenseiter, während „Born to the Night“ eine perfekte Single im derzeitig so angesagten Retro-Sound wäre. Major Tom lässt grüßen. Der letzte Song der ersten Seite „Torn“ wirkt dann wie das perfekte Fegefeuer, um die zweite Seite einzuläuten. Wie Max so schön auf dem Song singt: „Ich bin zwischen Himmel und Hölle hin und her gerissen“.

Die Schwäche des Album ist der Opener der zweiten Seite. „Take You To Hell“ wirkt fast schon wie ein Musical oder Kinderlied. „Who’s Laughing Now“ wirkt zwar auch sehr verspielt, aber geht direkt ins Ohr. „Belladonna“ ist dann der wohl „düsterste“ Track der Platte, bevor es danach wieder Pop-Non-Stop gibt. Das mündet am Ende in dem Song, der Ava Max berühmt gemacht hat: „Sweet But Psycho“.

Keine Reproduktion großer Künstlerinnen

Ava Max ist mit Künstlern wie Mariah Carey, Lady Gaga, Whitney Houston, Britney Spears und Beyoncé groß geworden. Der Einfluss ist unverkennbar auf ihrem heute erschienenen Album „Heaven & Hell“ zu hören. Doch die 26-Jährigen ist keine Reproduktion großer Künstlerinnen. Ava Max hat einen ganz unverkennbaren, eigenen Sound und das ist die Wunderwaffe dieser Platte. / Berry

Bilder: Charlotte Rutherford / Warner Music Germany