Der Künstler und Model Alexander Abramov wurde in Kasachstan geboren und wuchs dort auf, bevor er nach Moskau zog. Nun erzählt in einem Interview, wie es wirklich ist, als schwuler Mann in Russland zu leben.

Alexander Abramov arbeitete zunächst in einer der Top-Makeover-Reality-Shows des russischen Fernsehens. Dort arbeitete er sich zum Executive Producer hoch und zog dann in die USA. Heute lebt er in New York City und arbeitet an dem fünften Buch seiner Uncovered-Reihe, das nächstes Jahr herauskommen soll. Zuvor hatte ich euch den sexy Däääddy hier schonmal vorgestellt.

In der Oktoberausgabe von Attitude spricht Abramov über das Leben der LGBTQ-Menschen in Kasachstan und Russland: „Ich habe mich mit 15 Jahren bei einigen meiner engen Freunde geoutet und sie haben mich sehr unterstützt und waren froh, dass sie einen schwulen Freund hatten“, sagt er in dem Interview. „Mit 16 habe ich mich bei meiner Mutter geoutet. Ich möchte nicht sagen, dass sie damit zufrieden war, aber im Laufe der Jahre hat sie mich so akzeptiert, wie ich bin und sie ist nicht nur meine Mutter, sondern auch meine Beste Freund“.

„Ich denke, dass 60 bis 70 Prozent der schwulen Männer in Russland sich niemals outen werden“

Über seine Zeit als homosexueller Mann in Moskau sagt er: „Ich habe mich mit 25 Jahren öffentlich in Moskau geoutet. Das hat mein Leben überhaupt nicht beeinflusst. Viele meiner Freunde wussten bereits, wer ich bin und andere Leute haben sich nicht wirklich um meine Sexualität gekümmert.“ Abramov, der mit seinem Ex-Mann in die USA gezogen ist, um bessere Karrieremöglichkeiten zu haben, sagt weiter: „Meine Heimatstadt ist eine ziemlich kleine Stadt, und wenn Sie jemanden kennenlernen, werden Sie zu privaten Partys nach Hause eingeladen – nicht zu Sexpartys. Außerdem gab es ein sehr kleines Restaurant, in dem einmal im Monat geheime Tanzpartys stattfanden und natürlich musste man Leute kennen, um auf die Gästeliste zu kommen.“

Homosexualität ist in Kasachstan seit 1998 zwar legal, aber wie auch im benachbarten Russland hat sich die Akzeptanz der Öffentlichkeit gegenüber schwulen Menschen in den vergangenen Jahren nicht verbessert: „Es gibt definitiv zwei verschiedene Seiten des Lebens für LGBTQ+ Personen“. Weiter sagt Alexander gegenüber Attitude: „Ich kenne viele Leute, die sich bei ihren Familien, Freunden und sogar bei Kollegen geoutet haben und von ihnen nicht abgelehnt worden sind. Aber sie sind wahrscheinlich die Ausnahmen.“ Er fügt hinzu: „Ich denke, dass 60 bis 70 Prozent der schwulen Männer in Russland – und diese Zahl ist in Kasachstan definitiv höher – sich niemals outen werden. Die meisten von ihnen haben sogar Schwierigkeiten, sich selbst zu akzeptieren. Insbesondere aufgrund des gesellschaftlichen Drucks, in dem sie leben“.

SCHWARZ UND SCHWUL – WENN HOMOPHOBIE AUF RASSISMUS TRIFFT!

Mit diesem Interview schafft Alexander Abramov wieder etwas mehr Sichtbarkeit für das Thema LGBTQ+ in Russland und Kasachstan. Er selbst hatte das Privileg das Land verlassen zu können und umso wichtiger ist es, sich für die alte Heimat stark zu machen. In diesen Ländern – wie auch Polen – muss einfach noch viel passieren. / Berry

Bild: Instagram/abramov_lex