Gestern (08.08.2017) habe ich auf Hollywood Tramp einen etwas älteren Artikel aus 2016 nochmal gepostet, bei dem es darum geht, ob übergewichtige Männer in der Gay-Szene glücklich werden können. Immer wenn es einen Artikel aus dieser Richtung gibt, wird mir vorgeworfen, dass das „heuchlerisch“ wäre, weil ich ja auch in der Rubrik „Boys“ überwiegend durchtrainierte Männer poste. Dabei ist genau dieses Argument doch das Problem in unserer ganzen Szene. Diese Kommentare machen mich immer wieder sauer und die Argumente möchte ich so nicht stehen lassen und erkläre euch hiermit, warum eben doch beides geht und auch gehen muss! 

Ist dir schonmal aufgefallen, dass sich noch nie ein Single unter einem Artikel über eine Hochzeit oder einen süßen Antrag geäußert hat, indem er schrieb: „Immer diese glücklichen Paare. Du sagst damit, dass wir alle in einer Beziehung sein müssen und heiraten müssen“? Genau, so etwas ist noch nie passiert. Genau so wenig, wie jemand der Meinung ist, dass er Britney Spears oder Lady Gaga hören MUSS, nur weil diese Sängerinnen besonders häufig hier gepostet werden. Wenn aber ein Mann mit durchtrainiertem Körper gepostet wird, heißt es immer gleich, dass ich damit ein Schönheitsdiktat aufsetze und alle zwinge, so aussehen zu müssen, wie diese Männer. Dies bezieht sich allerdings selektiv immer nur auf das Gewicht und nie auf die Größe oder Haarfarbe usw. Allen anderen Artikeln können wir uns entziehen, wenn sie uns nicht gefallen, aber da auf einmal nicht? Das ist genau so interessant wie das Klickverhalten bei solchen Artikeln. Diese haben im Verhältnis immer weniger Likes im Vergleich zu den Klicks. Das bedeutet, sehr sehr viele Leser gucken sich diese Männer an, aber liken den Post nicht, weil das ja heißen würde, dass sie oberflächlich sind oder dem Schönheitsdiktat zustimmen. Heimlich gucken ist aber anscheinend OK. Ein weiterer Fakt aus der Zahlenwelt: An einem Sonntag hatte ich eine sehr tolle Doku vorgestellt, bei der es um eine wichtige Schlüsselfigur der Schwulenbewegung in den 70er ging. Super spannend, wie ich finde. 3 Liken und 7 Klicks auf den Beitrag hatte das Ganze. 2 Stunden später kam ein Posting zu Zac Efron und seinem durchtrainierten Körper im neuen Baywatch Remake. 27.000 Klicks auf den Artikel in nur einem Tag. Noch Fragen? 

Nachfrage bestimmt das Angebot

Doch warum gibt es die Kategorie „Boys“ überhaupt und wieso möchte ich diese Männer posten? Da gibt es zwei Ebenen, die eine Rolle spielen. Zum einen: ja, ich finde die Männer, die ich da poste attraktiv, interessant und ich finde, dass sie Hollywood Tramp neben Britney, RuPaul, Dragqueens & Co. eine maskuline Note geben und diese Mischung gefällt mir. Zudem ist die Kategorie nicht auf einen bestimmten Typ Mann begrenzt. Alles ist möglich und so gab es Männer mit Bauch, viel Behaarung, wenig Behaarung, groß, klein, blond oder dunkel. Eine weitere Ebene sind die Klicks. Wie oben angesprochen, bringen diese Beiträge jede Menge davon und ein Blog wie Hollywood Tramp braucht Klicks, denn nur so, kann ich die Arbeit, die ich hier mache, meinen Lesern kostenfrei zur Verfügung stellen. Und das ist auch der Grund, warum viele andere Gay Magazine Postings machen wie „Instagram Hottie des Tages“ usw. Würde es keiner Klicken, würde auch keiner einen Artikel dazu machen und wie drastisch diese Klicks sein können, zeigt mein schon genanntes Beispiel. Warum soll ich also nicht Inhalte anbieten, die meine Leser massenhaft klicken und die die Seite mitfinanzieren?

Das Eine schließt das Andere nicht aus

Alles das bedeutet aber nicht, dass jemand so aussehen muss, wie diese Männer. Ich sehe selbst nicht so aus. Ganz im Gegenteil. In der Schule war ich übergewichtig und wurde Jahrelang gehänselt. Die Narben davon habe ich noch Jahr in Form von Unsicherheit mit mir getragen und das obwohl mein Köper nach der Pubertät auf natürlich Art und Weise wieder schlanker wurde. Bis ich gelernt habe, mich und meinen Körper zu lieben, hat es Jahr gedauert (Oh, vielleicht sollte ich dazu mal einen Beitrag schreiben!). Aber ich lasse mir nicht von Medien sagen, wie ich auszusehen habe und das ist der Punkt. Wenn jemand der Meinung ist, dass die Rubrik „Boys“ eine Art Schönheitsdiktat ist, zeigt das nur die eigene Labilität des Lesers, denn in allen anderen Kategorien, kann er sich dem ja auch entziehen. Wieso nicht hier? Der Punkt ist doch – und das hat auch die Diskussion unter dem gestrigen Artikel gezeigt – dass beides nebeneinander existieren muss. Vor allem in der schwulen Szene, die so viel Akzeptanz erwartet. Es kann nicht sein, dass dicke Männer dünne Männer beleidigen und umgekehrt und es kann auch nicht sein, dass ich durchtrainierte Männer gerne angucke, aber nicht im gleichen Atemzug sagen darf, dass es dicke schwule Männer in der Szene „leider“ schwer haben, nur weil ich eben jemanden gepostet habe, der schlank ist. In keinem dieser Posting steht, dass man so auszusehen hat. Der Leser an sich, muss doch unterscheiden können, dass keiner dieser Männer einfach von Natur aus so aussieht. Die meisten von ihnen sind Sportler oder üben einen Beruf aus, der so einen Körper erfordert und dementsprechend sieht auch deren Sportplan aus. 

Es geht immer nur um das Gewicht

Interessant ist doch auch, dass die Stimmen immer nur bei der Gewichtsfrage laut werden. Was ist mit anderen Körpermerkmalen? Die Männer in der Rubrik „Boys“ müssten dann doch auch das Diktat aufsetzten, dass jeder Mann genau die gleichen Körpermerkmale haben muss, wie sie. Sprich, wenn ich einen blonden Mann posten, müssen alle Blond sein, wenn er behaart ist, müssen alle behaart sein usw. Komisch, dass das alles ausgeblendet werden kann. Wenn das in anderen Punkten geht, kann der Leser doch auch sagen: „Oh, der hat ein Sixpack. Schön für ihn. Ich habe keinen und das ist auch gut so“. Ich fühle mich ja auch nicht gezwungen nach Japan zu fahren, nur weil die GQ ein Japan-Reise-Spezial postet.

Die provokante Mischung führt uns den Spiegel vor

Der Punkt ist, dass diese Vorwürfe in sich selbst diskriminierend sind. Jemanden vorzuwerfen, es sei heuchlerisch sich gegen die Diskriminierung von übergewichtigen Männern in der Gay-Szene zu äußern, nur weil die selbe Person auch schlanke Männer postet, macht keinen Sinn. Übrigens werden bei solchen Posten auch schlanke Männer sehr häufig beleidigt und das von den übergewichtigen Männer, die sich so diskriminiert fühlen. Beides kann existieren und es gibt nichts, was einem Menschen dazu legitimiert, jemanden anderen für sein Aussehen zu diskriminieren. Kein Posting sagt jemandem wie er zu sein hat und deswegen behalte ich diese provokante Mischung auch weiterhin bei, denn ich glaube, wir sind erst dann tolerant, wenn wir beides nebeneinander Leben lassen können, ohne es zu verurteilen. Ich schimpfe also weiter über das Schönheitsdiktat und poste gleichzeitig einen Sixpack! 

Bild: YouTube/fitspacestudio

Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!
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