Willkommen bei TrampDiary. „Braucht kein Mensch“ wirst du jetzt zurecht sagen und vielleicht möchte es auch keiner lesen, doch gib mir einen Moment, bevor du dich zum zehnten Mal deiner Facebook-Timeline widmest und diese Seite für immer als Müll in deinem Verlauf endet.

schwule Szene

Immer wieder veröffentlichen Leute unqualifizierte Kommentare zu Events oder Partys. Sei es auf Facebook, wo dann nach einer Party in der Veranstaltung lyrische Wunder wie: „War scheiße“ zu finden sind oder sei es, dass unseriöse Magazine, noch unseriöseren Menschen eine Plattform bieten, um sich als „Party-Tester“ zu versuchen. Das sind dann meist selbsternannte Szenegänger oder DJs, die weniger Bookings im Jahr haben, als Naddel Autogrammstunden im Einkaufszentrum bei Rammelsbach. Ich habe es satt!

WIESO DAS GANZE?

Warum möchte ich unter dem Namen #TrampDiary über die schwule Party-Szene schreiben und wieso bin ich der Meinung, dass ich dazu überhaupt etwas sagen kann? Das kann ich ganz einfach beantworten: Ich lebe es. Ich bin seit über 10 Jahren erfolgreich als DJ deutschlandweit unterwegs und das seit sechs Jahren verstärkt auf schwulen Events. Zudem habe ich drei schwule Partyreihen in meiner Heimatstadt Hamburg. Ich bin also mitten drin und beschäftige mich mit der Szene, habe viel mit Menschen aus der Szene zu tun und trage selbst zur Szene bei. Somit ist es an der Zeit, dies zu teilen. Du bist also noch dran geblieben. Sehr gut!

Wir gehen alle feiern. Der eine mehr, der andere weniger. Doch wir alle kennen sie, die schwulen Partys unserer Stadt. Manchmal gibt es nichts anderes und alle gehen hin, obwohl die Party der letzte Mist ist und ein anderes Mal hat man einfach Glück und den richtigen Abend erwischt. Jeder hat seine Favoriten, doch nur wenige meiden die Partys, die sie gar nicht leiden können. Schadenfreude und Unruhe stiften ist halt auch eine Motivation auszugehen. Wenn eine Party so richtig scheiße ist, laufen manche Gäste zur Höchstform auf. Aber natürlich erst am nächsten Tag via Facebook. Dass keiner am Abend den Veranstalter aufsucht, ist klar, denn direkte Konfrontation muss nicht sein, wenn man das auch am nächsten Tag am Laptop machen kann. Da erfordert die Reaktion auf das, was man geschrieben hat, keine sofortige Gegenreaktion. Man hinterlässt seine Scheiße auf einer Pinnwand und wartet, bis jemand anfängt daran zu riechen. Gibt es eine Antwort vom Veranstalter, die leider dazu neigen, solche Kommentare zu löschen, hat man genug Zeit, diverse Antwortmöglichkeiten zu verfassen, eine Strategie auszuklügeln, den Keller aufzuräumen und alle 51 Staffeln von „Zeit der Sehnsucht“ zu gucken, bevor man antwortet. Schön einfach. 

DER TON MACHT DIE MUSIK

Kritik ist immer berechtigt und Kritik ist auch wichtig, denn zugegeben, 50% aller schwulen Partys deutschlandweit sind fragwürdig. Doch indem man ein Kommentar, meist unsachlich, an eine Pinnwand knallt, verbessert man die Lage nicht, sondern verschlechtert sie. Es reicht, wenn nach einer guten Party 999 Gäste die Nacht ihres Lebens hatte und nur einer am nächsten Tag die Party unsachlich in den Dreck zieht und das direkt auf die Pinnwand platziert. Niemals werden 999 Gäste schreiben, wie geil es war, denn sowas können wir wiederum direkt unseren Freunden mitteilen. Aber der eine Typ, der dieses Geschwür auf die Pinnwand platziert hat, ist alles was nach der Party bleibt. Es bleibt ein negativer Eintrag, sichtbar für alle Gäste. Das Problem ist nicht die Kritik, sondern die Unsachlichkeit. Kleines Beispiel: man kann auch erstmal nachfragen, statt loszuschießen: „Wir mussten über eine Stunde anstehen und als wir dann drin waren, war es recht leer. Hatte das einen besonderen Grund und wie können wir so etwas beim nächsten Mal vermeiden?“. Anstatt: „So ein Dreckladen. Eine Stunde angestanden und dann nix los. Kein Wunder. Hauptsache eine Fake-Schlage erzeugen. Der letzte Dreck“.

Ich versichere jedem Gast, dass sich ein professioneller Veranstalter auf die erste Variante melden wird und als Entschädigung für die nächste Party einen Gästelistenplatz für euch anbieten wird. Wenn man Kritik äußert, muss man dem anderen auch die Chance geben, den Grund für die Panne o.ä. erläutern zu dürfen. Ist es überhaupt die Schuld des Veranstalters oder hätte er es gar nicht vermeiden können?

UNSACHLICHE KRITIK SCHADET UNS ALLEN

Im Grunde lässt sich dieses Phänomen auf alles übertragen. Es ist die Art, wie sich Leute über Social Media äußern. Sie vergessen ihren Anstand und den Respekt. Besonders in der schwulen Szene habe ich immer wieder beobachtet, wie Gäste über ein bestimmte Party herziehen und dennoch siehst du genau diese Menschen jedes Mal wieder auf dieser Party. Noch schlimmer wird es aber, wenn Medien bestimmten Leuten eine Plattform bieten, um sich als „Partytester“ zu versuchen. An sich ist es eine gute Sache, doch dazu muss man auch vom Fach sein und sich objektiv äußern können. Über eine Party zu schreiben und dabei die Hälfte des Angebots nicht zu erwähnen und unsachlich und beleidigend über gebuchte Acts herzuziehen, ist einfach nur unprofessionell. 

Ich möchte das an dieser Stelle ändern, indem ich versuchen möchte, möglichst objektiv über meine Wochenenden, Gigs und Partys zu schreiben. Ich möchte einen Blick hinter die Kulissen bieten. Wieso mache ich meine Partys so wie ich sie machen? Was steckt dahinter? Wo versage ich und wo wachse ich über mich selbst hinaus? Ich möchte auch über Trends, Eigenheiten und Vorlieben der Szene sprechen. Hören wir andere Musik als die Heteros? Was ist anders? Wieso ist das so? Welche Stadt feiert am besten und wieso kann man bestimmte Sachen im Norden spielen und im Süden nicht? Wie ticken die Booker, wie ticken meine DJ Kollegen und was erlebe ich mit den Dragqueens, die ich für meine Partys und Shows buche? Ich möchte einen ehrlichen und neutralen Einblick ermöglichen und hoffe, damit all denen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die nichts anderes erreichen wollen, als Unruhe auf Kosten anderer zu stiften. Den Anfang habe ich nun hiermit hoffentlich getan. 

+++REDE MIT+++
Regen dich bestimmte Dinge in der Szene auf oder wolltest du bestimmte Sachen schon immer mal wissen? Warst du mal auf einer Party und warst super unzufrieden? Lass uns den Dialog mit den Veranstalter suchen. Gefällt dir eine Party besonders gut? Lass es uns dem Veranstalter zusammen sagen. Ich bin gespannt auf euer Feedback. Anregungen immer gerne an info@hollywoodtramp.de mit dem Betreff „TrampDiary“. 

 

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!