Stell dir vor, du gehst in den Supermarkt einkaufen, bist an der Kasse endlich dran und fragst dann den Kassierer, ob er deinen Einkauf übernehmen kann? Findest du komisch? Es ist im Grunde nichts anderes, als sich auf die Gästeliste einer Party schreiben zu lassen. Als Veranstalter habe ich das Thema lange beobachtet und habe langsam das Geschnorre satt. 

Glory And Youth by Videokombinat

Seit fünf Jahren veranstalte ich Partys und seit fünf Jahren ist der Segen und der damit verbundene Fluch der Gästeliste Thema. Doch wer ist diese Gästeliste und wieso ist sie auf jeder Party so wichtig? Ich sage dir, wer die Gästeliste ist. Sie ist eines der missverstandensten Elemente unserer Partykultur. Sie ist für jeden Veranstalter das, was der illegale Download für Plattenfirmen ist, was Kino.to für jede Kinokasse bedeutet oder jedes Schweizer Konto für die Deutsche Steuerkasse. Die Gästeliste ist nicht mehr die Gelegenheit, als Veranstalter bestimmte Personen zu bevorzugen, weil eine Hand die andere wäscht. Nein, die Gästeliste ist ein Anspruch geworden. Ein Druckmittel. Ein Bazaar. Wer drauf steht, ist wichtig oder fühlt sich besser gesagt so, doch eigentlich sind das die wahren Schmarotzer. 

Gästeliste bedeutet nie umsonst 

Das große Problem ist, dass die meisten Gäste nicht verstehen, was es bedeutet, sich irgendwo auf eine Gästeliste schreiben zu lassen. Gästeliste bedeutet, dass man keinen Eintritt zahlen muss, weil man ein geladener Gast ist. Sprich, zur Gästeliste wirst du eingeladen und lädst dich nicht selbst dazu ein. Alleine das, hat sich über Jahre komplett falsch eingebürgert. Man muss davon ausgehen, dass ein Veranstalter nur Menschen einladen möchte, die in irgendeiner Weise Sinn für sein Event ergeben. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Die Person bietet einen Mehrwert,  hat dir einen Gefallen getan oder die Werbetrommel für deine Veranstaltung gerührt. Das können Faktoren sein, die es rechtfertigen, den Eintritt für diesen Gast zu übernehmen. Ja, genau, ich spreche bewusst vom Übernehmen, denn die Gästeliste bedeutet nicht, dass der Eintritt frei ist. Sie bedeutet, dass der Veranstalter die Kosten für dich übernimmt. Ich bezahle 12 € Eintritt dafür, dass diese Person nicht zahlen muss. Ich gehe also zum Friseur und dieser schneidet mir die Haare und bezahlt den Haarschnitt für mich am Ende dann auch noch selbst.  

Aus meiner Sicht gibt es drei Gruppen für meine Gästeliste. Es gibt die Veranstalter und Kollegen. Diese stehen auf meiner Gästeliste, weil ich auf deren Gästeliste stehe und auf deren Events für mein Event werben darf usw. Zudem ist es mir eine Ehre, wenn ein anderer Veranstalter, DJ-Kollege oder Promi meine Party besucht. In dieser Gruppe beruht alles auf Gegenseitigkeit. Es ist ein Geben und Nehmen, auf welche Art auch immer. Dann gibt es die, die etwas für ihren Gästelistenplatz tun. Sie posten die Party, laden ihre Freunde dazu ein, machen online Werbung oder veranstalten sogar ein Vortrinken und kommen dann mit 20 – 30 Mann zur Party. Sie haben einen Mehrwert, denn sie gleichen durch ihre Werbung den finanziellen Verlust aus. Und dann gibt es die, die nichts bringen. Sie sind weder Freunde, noch bewerben sie die Party. Sie wollen einfach schlichtweg Geld sparen, sich wichtig fühlen oder sind der Meinung, sie sind etwas Besonderes und du kannst froh sein, dass sie überhaupt auf deine Party kommen. Diese Person schafft es aber nicht einmal, zur Veranstaltung wenigstens als Zeichen des Supports, zuzusagen. Es sind meist Leute, die sich immer pünktlich zur Party melden und sonst nie. Wenn ich schon den Anfang der Nachricht lese „Na du?“ und das am Tag der Party, was an sich eh schon zu spät ist, um auf die Gästeliste zu kommen, könnte ich kotzen. Ich öffne diese Nachrichten schon gar nicht mehr, weil ich weiß, was kommt. 

Es ist wie mit den illegalen Downloads

Eine Party kostet aber nunmal Geld und diese Kosten müssen durch den Eintritt oder Umsatz an Getränken gedeckt werden. Kein Veranstalter kann zu 100 Prozent sagen, ob er alle Kosten wieder einspielen wird, denn es gibt zu viele Faktoren, die dafür sorgen könnten, dass Gäste weg bleiben. Plötzlich zieht ein Strum auf, es regnet ohne Ende, es ist der erste heiße Sommertag des Jahres, es gab einen Terror-Anschlag in einer europäischen Stadt usw. Es gibt jede Menge Faktoren. Der Veranstalter geht also finanziell jedes Mal ein Risiko ein. Im Umkehrschluss müssten also alle Menschen, denen etwas an der Party und dem Veranstalter liegt, bewusst auf einen Gästelistenplatz verzichten. Die Fans der Party müssten doch erst recht darauf bestehen, Eintritt zu zahlen. Doch es ist genau umgekehrt. Es ist wie mit den illegalen Downloads. Anstatt den Künstler, den man gerne hört, zu unterstützen, klauen wir die Musik illegal im Netz, weil wir uns denken: „Ach, Coldplay verdienen soviel Geld, die haben genug.“ 

Es liegt sicherlich an dem Bild, das Menschen nicht nur von Popstars oder der Filmindustrie haben, sondern auch von Veranstaltern und Clubbetreibern. Es sieht natürlich gerne so aus, als würde der Veranstalter eine Stunde vor Beginn der Party in die Location kommen, den Strom anstellen, die Massen rein lassen, dann sich selbst feiern, um anschließend mit einem Sack voller Geld nach Hause gehen. Also agiert der Gast nach dem Motte: „Der verdient so viel, da kommt es auf meinen Eintritt nicht drauf an“. Natürlich ist es nicht so und selbst wenn, wird ein Wert vermittelt und dieser Wert soll gewürdigt werden. Jeder Gast, der nichts zur Party beisteuert und nach Gästeliste fragt, tut nichts anderes, als auf der Strasse zu fragen, ob ein Passant ihm das Mittagessen ausgeben kann. Willkommen im Zeitalter der Schmarotzer auf hohem Niveau. 

Titelbild: Glory And Youth by Videokombinat

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

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Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!