Spread the love

Letzten Samstag (12.03.16) habe ich auf der Volume in Hannover aufgelegt. Das Thema: DJ Battle. Ich sollte in einem Battle gegen Charlet Crackhouse und Lana Delicious antreten. Ein Battle zwischen DJs ist nichts Neues und fester Bestandteil der DJ-Kultur, doch an diesem Abend geht es eher um einen spielerischen und vor allem freundschaftlichen Wettstreit unter Kollegen. Doch wie ist das mit den echten Rivalitäten in der schwulen Szene? Vor allem zwischen Djs und Dragqueens?

Charlet Crackhouse, Berry E, Lana Delicious

Die Volume in Hannover war ein toller Abend. Die Macher haben das Battle-Thema super umgesetzt und jeden DJ an ein eigenes Pult gestellt, dass mit dem jeweiligen Bild und der Heimatstadt bedruck war. So trat Hamburg gegen Köln gegen Berlin an. Im 20 Minuten Takt wurde gewechselt und auf der Leinwand wurde die verbleibende Zeit bis zum Abtausch eingeblendet. Das Battle war rein spielerisch und freundschaftlich inszeniert und so gab es auch keinen Verlierer, sonders nur Gewinner. Denn der Abend hat bewiesen, dass sich Kollegen untereinander respektieren und schätzen können und das Publikum und die ganze Party davon profitiert. So locker lustig das Battle in Hannover auch war, so hart und erbittert ist manchmal der Kampf unter den Acts. Nicht immer ist es so harmonisch, wie auf der Volume.  

LÜGEN UND GERÜCHTE

Rivalitäten gibt es viele. Besonders unter den Dragqueens. Der Markt ist hart umkämpft und so gibt es viele Drags, die kein gutes Haar an ihren Kolleginnen lassen. Da werden diejenigen beschimpft, die sich zu einem Spottpreis anbieten oder man entlarvt die Kollegin, die gar nicht wirklich auflegt, sondern einen dritten Player unter dem Tisch versteckt hat. Hinzu kommen natürlich 50 % an Lügen und Gerüchte, die drauf gepackt werden, um den Ruf zu ruinieren. Man muss als Veranstalter schon sehr genau aufpassen, wen man mit wem zusammen bucht.

Unter den DJs ist das nicht anders. Es gibt die Liga, die stetig gebucht ist und ich habe das Gefühl, dass sich diese Kollegen untereinander auch verstehen und schätzen. Und dann gibt es die, die sich über Facebook und Instagram fett verkaufen und sich als neuen David Guetta anpreisen, von noch dümmeren Veranstaltern gebucht werden, die dann leider feststellen müssen, dass diese Person gar nicht auflegen kann und alles mehr Schein als Sein ist. Mit Glück ergattern diese DJs ab und an mal ein Booking im Quartal, weil sie den nächsten nachlässigen Veranstalter gefunden haben, der sie gebucht hat und sich vom “Social Media”-Schein hat einwickeln lassen. Dumm nur, wenn so eine Person auf einen erfahrene DJ trifft und dieser dann irgendwie die Party retten muss. Das kommt tatsächlich häufiger vor, als man denkt.  

TALENT VS. MÖCHTEGERN

Es gibt wenig Menschen in meinem Umfeld, die ich nicht mag und ich versuche die Leute immer so zu nehmen, wie sie sind. Doch unter DJs und Dragqueens gelingt mir das kaum und es gibt zwei Gründe, wieso mich bestimmte Kollegen auf die Palme treiben können. Entweder ist es der pure Neid meinerseits, weil sie vllt. etwas verkörpern, was ich gerne hätte, aber nicht bin. Oder aber sie sind so schlecht, dass es negativ auf mich und die ganze Branche zurück fällt. Letzteres betrifft vor allem die von mir liebevoll genannten “Start” & “Stop” Drags, die sich als DJs versuchen. Diese Spezies kann rein technisch nicht auflegen, sondern lediglich mit Mühe seine CDs abspielen. Das ist ok, solange diese Drag eine gewisse Persönlichkeit hat, die so interessant ist, dass man gerne wissen will, was sie so hört. Sie soll im Grunde ihre Playlist spielen, damit man sie musikalisch kennenlernen kann. So ein DJ kann aber nicht jedes Wochenende in der selben Stadt auflegen, denn das gibt sie musikalisch nicht her. Es ist die ewig gleiche Playlist in der ewig gleichen Reihenfolge. Von Übergängen oder gar einer durchdachten Playlist kann hier kaum die Rede sein. 

Ich habe keine Rivalitäten mit DJ-Kollegen. Klar, DJs sind Einzelgänger und sie sind auch sicherlich eigen, doch man kommt meistens klar und oft auch sehr gut. Ich habe auch Respekt vor Dragqueens, die das Handwerk des DJs besitzen, die Übergänge machen können oder eine clevere Playlist mit Gefühl für das Publikum hinbekommen. Wenn die Musikauswahl stimmt, kann diese sogar dafür sorgen, dass es dir keiner übel nimmt, wenn du keine Übergänge machst. Was aber gar nicht geht, sind eben diese “Start” & “Stop” Dragqueens, die sich jedes Wochenende in jeden schwulen Club (leider besonders in Berlin) stellen und von nichts eine Ahnung haben. Den Höhepunkt erreicht das Ganze dann, wenn so jemand hinter dem DJ-Pult steht und raucht, sich unterhält und dann immer wieder den gleichen Song abspielt, weil die Unterhaltung spannender ist, als den nächsten Track rauszusuchen. Wirklich so passiert! Diese Dragqueens machen alle einen ganz entscheidenen Fehler. Sie kümmern sich erst um den Fame und dann um die Arbeit und das funktioniert leider nirgendwo. 

Umso mehr Respekt muss man vor den Drags haben, die es können und das Ganze auf hohen Schuhen und im unbequemen Outfit eine ganze Nacht konzentriert durchziehen. Die Drags, die sich mit Musik auseinander setzten und stetig an ihrer Playlist arbeiten. Die Rivalität entsteht da, wo Können und Talent auf aufmerksamkeitsgeile Amateure trifft, die nur eine Bühne suchen, um sich feiern zu lassen, egal ob als Drag oder “normalo” DJ. Ich komme mit jedem klar, aber diese Form des Djing zieht meine Form in den Dreck und ist meiner Meinung nach eine Beleidigung an jeden zahlenden Gast. Die Schuld liegt natürlich auch bei den Veranstaltern, die diese Leute buchen und ihnen eine Plattform geben. Ab und an ist das völlig ok und jeder darf gerne Mal als Hobby-Dj seine Musik spielen dürfen oder gerne das Warm-Up machen. Derjenige sollte sich aber nicht als professioneller DJ ausgeben und sich für eine DJ-Gage buchen lassen und die Leute verarschen, wie es leider seit Jahren in der Szene der Fall ist. 

HIER DIE LETZTE FOLGE VON #TRAMPDIARY LESEN: WARUM ICH MICH ÜBER DIE SCHWULE PARTY-SZENE AUSKOTZEN MÖCHTE

+++REDE MIT+++
Regen dich bestimmte Dinge in der Szene auf oder wolltest du bestimmte Sachen schon immer mal wissen? Warst du mal auf einer Party und warst super unzufrieden? Lass uns den Dialog mit den Veranstalter suchen. Gefällt dir eine Party besonders gut? Lass es uns dem Veranstalter zusammen sagen. Ich bin gespannt auf euer Feedback. Anregungen immer gerne an info@hollywoodtramp.de mit dem Betreff „TrampDiary“. 

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

Altersverifikation

Mit klicken auf "Ja" bestätige ich, dass ich das notwendige Alter von 18 habe und diesen Inhalt sehen darf.

Ja

Oder

Nein
Immer verantwortungsvoll genießen.