Vor etwas mehr als zwei Jahren kam der spornosexuelle Mann das erste Mal zum Vorschein. Dieser hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, seinen Körper selbst zu bauen und pflegt dieses erschaffene „Werk“ ganz eifrig und selbstverliebt, um auch von seiner Umwelt geliebt zu werden. Doch wie schon beim metrosexuellen Mann muss ich mich auch hier wieder fragen, wo die Abgrenzung zu den typisch schwulen Klischees liegt und wieso die Männerbilder, die all das sein wollen, was in ihren Augen Homosexualität nicht ist, am Ende doch „schwuler“ sind als alle anderen? 

lewis_harrison Instagram

Es ist schon witzig, wie der Mann sich im Grunde immer als Beschützer und als biologisch kräftigeres Geschlecht um Frau und Familie gekümmert hat. In der Steinzeit ging er jagen und auch noch bis Ende der Achtziger Jahre war der Mann der Versorger und kümmerte sich um alles, nur nicht um sich selbst. Ab den Neunziger Jahren passierte jedoch plötzlich etwas ganz anderes. Der Mann fing an, sich um sich selbst zu kümmern. Dank David Beckham war der metrosexuelle Mann plötzlich da. Mit der Zeit wurde dieser zu glatt und so kam der retrosexuelle Mann mit Vollbart, Brusthaar und neuerdings auch leichtem Bauch direkt hinterher. Der Gegentrend dazu steht jedoch schon in den Startlöchern. 

WHEN SPORT MEETS PORN

Das Wort „Sporno“ kommt von „when sport meets porn“ und stellt den Sportler als Sexsymbol auf eine Stufe mit Lust und Verlangen. Erfunden oder sagen wir entdeckt, hat den spornosexuellen Mann der britische Journalisten Mark Simpson, der in seinem neuen Werk den metrosexuellen Mann für tot erklärt hat und seinen Ablöser in Form des spornosexuellen Mannes im britischen Telegraph veröffentlichte. Im Grunde ist dieser Typ Mann die extremste Version des „Metros“. Er ist extrem auf seinen Körper fokussiert und sieht diesen als Bauwerk an. Muskeln bestimmen den Look. Er inszeniert sich sexuell, zeigt gerne was er hat und verbindet den Sport mit einer Art sexuellen Akt. Als würde er es beim Sport mit sich selbst treiben wollen, weil er sich so geil findet. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass der „Sporno“ vor dem Spiegel steht. In einer Hand die Hantel und in der anderen sein Schwanz. Narzissmus ist an dieser Stelle schon fast bedeutungslos.

Das Komische ist, dass er, anders als der „Metro“, nicht auf Style und Designer Anzüge steht. Das würde nur seinen schönen Köper und die viele Arbeit verdecken. Er trägt kurze Hosen zum Sport und ein Tanktop, das möglichst viel Haut zeigt. Am liebsten aber trainiert er oben ohne. Während der metrosexuelle Mann alles künstlich beeinflusst hat, um gut auszusehen, muss der „Sporno“ seinen „Wagen“ nur ordentlich pflegen, polieren und täglich in der Werkstatt dran schrauben. Doch wieso funktioniert plötzlich genau das, was jahrelang als unmännlich galt? Ein Mann, der Eitel ist oder narzisstisch, wurde immer als unmännlich oder schwul angesehen, doch plötzlich ist es ok. 

Ausgerechnet der schwule Mann hat einen sehr wesentlich Anteil dazu beigetragen. Der schwule Mann ist in der Gesellschaft angekommen und hat ein gewisses neues Verständnis für die männliche Eitelkeit mitgebracht. Denn der schwule Mann macht sich für sich selbst schön und da ist auch die Parallele zum „Sporno“. Er macht es für sich und hat seine Umwelt aus dem Blick verloren, obwohl er sie als Bewunderer braucht. Wie Simpson in seinem Artikel beschreibt, ist es die männliche Sehnsucht, begehrt zu werden und da wir in dem Social-Media-Zeitalter leben, kann man diese Sehnsucht durch die Bewunderung der eigenen Person über Bilder einfordern. Es wäre ja auch schwierig seine Intelligenz via Instagram zu beweisen. Der Körper als Symbol für harte Arbeit und Selbstliebe soll auch virtuelle Liebe von außen bringen. Das, was Mann schon immer wollte. Noch nie war es so einfach. 

DER SPORNO LIEBT DIE HOMOS

Dass dem Ganzen etwas sehr homosexuelles anhaftet, kann man nicht abstreiten. Der „Sporno“ liebt sich selbst und sieht sich selbst als absolutes Sexsymbol. Er trainiert ganz intim mit anderen spornosexuellen Männern täglich und das ohne Shirt. Er liebt zudem schwule Männer und hat kein Problem mit dem Thema Homosexualität. Immerhin verkörpert er nun genau das, was uns Homosexuellen jahrelang als Klischee anhaftete. Es ist erstaunlich, wie auch die Medien diesen Typ Mann platzieren. Der Mann feiert seinen muskulösen Körper, wie selten zuvor. Da wären Channing Tatum und der ganze Magic Mike Film. Aktuell Zac Efron in der Baywatch-Verfilmung oder auch Chris Pratt, der uns allen gezeigt hat, dass er sich von einem „Gemütlichen“ zu einem Sport-Cover-Model für den Film Guardians of the Galaxy trainieren kann. Ach ja, nicht zu vergessen, dass selbst die MTV Movie Awards tatsächlich die Kategorie “Best Shirtless Performance” haben, den 2014 Zac Efron gewann. Ja, der „Sprono“ ist überall. Bislang wurden die Frauen als Objekt platziert, nun zieht der Mann nach. Je homofreundlicher er dabei ist und umso mehr er den Kontakt zur homosexuellen Zielgruppe sucht, umso mehr steigert er seinen Marktwert oder eben seine Zahl an Followern. 

Die Spornosexualität katapultiert uns in eine neue Zeit, in der es normal ist, sich als Sportler für ein schwules Magazin nackt in Öl mit nur einem engen Slip bekleidet zu zeigen. Es ist ok, mit seinem Kumpel jeden Tag oben ohne trainieren zu gehen, und die Körper im Selfie festzuhalten und sich selbst geil zu finden. Immer gefolgt von einem strikten Diätplan. Plötzlich geht all das, wofür schwule Männer verurteilt wurden. Es ist im Grunde die höchste Form der homosexuellen Klischees, die hier abgefeiert werden. Der „Sporno“ und der „Homo“ bilden fast einen fließenden Übergang, denn der „Sporno“ sucht den Kontakt zur homosexuellen Szene und schon kommen neue Begriffe wie der „Brojob“ auf. Plötzlich kann man schwulen Sex haben, ohne schwul zu sein. Plötzlich kann man sich „schwul“ benehmen, ohne schwul zu sein. Somit kann auch der „Sporno“ im Zweifel seine Homosexualität unter dem Deckmantel der Heterosexualität ausleben. Warum nicht?  

Bilder: Lewis Harrison via Instagram

Auf Hollywood Tramp teilt Berry E. eine bunte Auswahl an LGBT-Themen, Musik, Style, Sexappeal und Events, die ihn bewegen.

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Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!

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