Gestern Nacht (04.02.2018) fand der Super Bowl statt und die Halbzeitshow im US Bank Stadium wurde in diesem Jahr von Justin Timberlake gemacht. Er sang sich durch seine Hits und ehrte den verstorbenen Prince in seiner Performance. Doch so richtig wollte die Rechnung nicht aufgehen, denn das Internet bewertet den Auftritt überwiegend als negativ. Dabei hatte Justin Timberlake von Anfang an keine Chance, diesen Auftritt richtig zu machen. 

Kommen wir kurz zur Show selbst, bevor ich euch das eigentliche Problem der Halbzeitshow von Justin Timberlake erkläre. Los geht es mit „Filthy“, womit JT das einzige Material aus seinem neuen Album „Man of the Woods“ spielt. Anschließend singt er sich durch seine Hits „Rock Your Body“, „Senorita“, „SexyBack“, „My Love“, „Cry Me a River“, „Suit & Tie“, „Until the End of Time“ und „Mirrors“. Ganze 10 Songs sind in die 13 Minuten lange Show verarbeitet, die mit dem großen Finale zu „Can’t Stop the Feeling“ endet.

Waren die Songs gut arrangiert? Ja. Kann Justin Timberlake tanzen? Ja. Doch da hört es leider auch schon auf. JT singt sich sehr sparsam über die Backingvocals, die kaum anders klingen, wenn er nicht singt. Seine Stimme kommt erst zur zweiten Hälfte der Show durch. Seine Choreographie entstammte der originalen Choreo der jeweiligen Songs, bis auf den „Cry Me A River“-Dancebreak. Ein echter Lichtblick in der sonst recht monotonen Show. Weiteres Highlight, wenn nicht sogar der einzige große Moment der Show, ist das „Duett“ mit Prince. Zu Justin´s Song „Until the End of Time“ – einer seiner vielen Songs, die sehr nach Prince klingen – wird der Prince Klassiker „I Would Die For You“ eingebaut. Prince wird auf eine große Leinwand projiziert, die von der Decke runter hängt. Gleichzeitig gibt es eine Luftaufnahme ausserhalb des Stadions, die zeigt, wie sich die Stadt in Lila färbt und das Prince Symbol aufleuchtet. Gänsehaut! Danach geht es genau so unspektakulär weiter, wie es begonnen hat. Nämlich mit einem ganz normalen JT Konzert.

Die Stimmung war schon im Vorfeld vergiftet

Was war nun das Problem an dieser Show und warum hasst das Internet diesen Auftritt? Dazu muss man sich die ganzen Begebenheiten rund um diesen Auftritt ansehen. Justin Timberlake hatte von Anfang an keine wirkliche Chance es richtig zu machen. Als im letzten Jahr feststand, dass er die Show machen wird, kamen drei Punkte in den Menschen hoch. Bei seinem letzten Super Bowl Auftritt hat doch genau dieser Mann für einen der größten medialen Skandale im Live-TV gesorgt. Janet Jackson durfte die ganzen Konsequenzen tragen, während es für JT fröhlich weiter ging. Wird dieses Ereignis aus 2004 eine Rolle spielen? Wird er die Show mit Janet machen? Wird er es wieder gut machen, was damals passiert ist? Ja, die Leute wollen Happy Ends. Auch beim Super Bowl. Der zweite Punkt ist die Band aus der JT hervorgegangen ist. Was ist mit N´SYNC? Reunion? Wird er das ehren, was ihm seine Solokarriere überhaupt erst ermöglicht hat? Und der letzte Punkt wäre seine Ex Britney Spears. Ein gemeinsames Projekt der beiden Superstars wünschen sich bis heute viele Fans. Die Erwartungen waren also sehr hoch im Vorfeld. Nicht zuletzt auch durch den starken Auftritt von Lady Gaga im Vorjahr.

Die Euphorie kippte spätestes mit der Veröffentlichung von Justin´s neuer Musik und dem Album. Das neue Album bekam extrem schlechte Kritiken. Sowohl durch Fans auf Bewertungsportalen, als auch durch die Fachpresse. So etwas ist immer schwierig, wenn man nur 2 Tage später den Super Bowl bespielen soll. Zudem wurden dann noch alle Gerüchte rund um Special Guests von Justin selbst dementiert. Er wird lediglich mit seiner Band und seinen Tänzern auf der Bühne sein. Diese Aussage wirkte beinahe schon etwas arrogant und warf kein gutes Licht auf die Show.

Justin´s Super Bowl Vergangenheit hat ihn eingeholt

Parallel entwickelte sich eine Welle der Solidarität für Janet Jackson. Je mehr über Justin Timberlake gesprochen wurde, umso mehr wurde Janet Jackson und der Super Bowl Auftritt von 2004 in den Vordergrund gerückt. Damals hat Justin Timberlake bei dem gemeinsamen Auftritt Janet´s Brust im Live-TV entblößt. Es war die Rede von einem „Materialfehler“ in ihrem Outfit. Im Anschluss mussten sich beide Stars öffentlich entschuldigen. Janet Jackson wurde vom Super Bowl verbannt und auch von den Grammy´s. Sender fingen an Live Shows mit einer Zeitverzögerung auszustrahlen, um bei einem Skandal noch rechtzeitig reagieren zu können. Das Ganze wurde besonders in den USA zu einem extrem großen Thema, das vor allem Janet Jackson´s Karriere einen Knick verschaffte. Für Justin hatte es aber keine Konsequenzen und so machte sich langsam aber sicher das Gefühl breit, dass irgendwas nicht richtig bei der Entscheidung ist, Justin Timberlake im Jahr 2018 auftreten zu lassen und Janet nicht.

Die Fans ergriffen Partei. Das fand seinen Höhepunkt damit, dass am Tag der Super Bowl Show (also gestern) der Janet Jackson Appreciation Day einberufen wurde. Ein Tag, der die Sängerin ehren soll und das natürlich bewusst am Tag des Super Bowls. Das ging so weit, dass der Hashtag #JanetJacksonAppreciationDay auf Twitter den ersten Platz noch vor #SuperBowlSunday belegte und die Sängerin sogar ein öffentlichen Statement abgab, um nochmal klarzustellen, dass sie nicht mit JT auftreten wird. Die ganze Stimmung um diesen Auftritt war also schon mehr als vergiftet.

Es war eine gute Show, aber zu wenig für den Super Bowl

Für ein Konzert oder eine Award Show wäre Justin´s Auftritt mehr als gut gewesen, aber für den Super Bowl reicht es eben nicht mehr. In den letzten Jahren wurde das Niveau dieser Halbzeitshows so sehr angehoben, dass man etwas bieten muss, was so auf keiner Tour oder Award Show machbar wäre. Es ist eben der Super Bowl und damit einer der wenigen Momente, in denen die ganze Welt auf nur einen Künstler schaut. Hier muss man beweisen, warum man es verdient hat auf dieser Bühne zu stehen. Vielleicht wollte Justin Timberlake bewusst eine „normale“ Show, die etwas lockerer und spontaner wirkt als bei seinen Vorgängern. Die Outfits sollten so wirken, als hätten er und seiner Tänzer sich spontan irgendwie angezogen. Die Songs hatten schöne Freestyle-Momente und das Ende mit Justin im Publikum war neu für den Super Bowl. Doch das funktioniert hier nicht, denn jeder weiß, beim Super Bowl ist alles Inszeniert, weil es eben einmalig ist und für immer Teil der Karriere wird! Und so wirkt es fast schon arrogant, wenn JT in Alltagskleidung auftritt oder keinen Gast dabei hat. Als würde es reichen, wenn er einfach nur da ist und tanzt. Kein lebender Star kann ihm das Wasser reichen, nur eine gestorbene Ikone. Und auch seine Wurzeln in Form von N’SYNC sind keine Erwähnung wert. Es wirkt beinahe so, als hätten Justin, N´SYNC und Janet einen Mord begangen und nur Justin ist ohne Strafe davon gekommen. 

Es ist verwunderlich, denn es ist der dritte Super Bowl für Justin. Damals mit N´SYNC, dann mit Janet und nun als Solo Künstler. Er müsste also genau wissen, wie er aus dieser Show etwas machen kann, das in Erinnerung bleibt, wie bei Madonna, Katy Perry oder Gaga. Beyoncé hatte damals auch auf eine cleane Show gesetzt, aber sie hatte Destiny´s Child im Petto. Justin hatte nur sich, Tanzschritte, Prince und paar Hits. Gäbe es diese ganze Vorgeschichte rund um ihn und den Super Bowl nicht, hätte sein Auftritt sicherlich funktioniert. Aber das schwache Album gepaart mit der Stimmung und den Erwartungen war ein Genickbruch für diese Show. Wenn das einzige Highlight deiner Show eine tote Ikone ist, die man lediglich nur auf etwas Stoff projiziert muss, um die Leute zu bewegen, dann ist dein Super Bowl Moment irgendwie schief gelaufen. 

Bild: YouTube Screenshot via NFL

 

 

Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!

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