Die Öffnung der Ehe in den USA wird auf der ganzen Welt gefeiert und erhöht weiterhin den Druck, andere Länder folgen zu lassen. So natürlich auch Deutschland. Doch einige pro Homo-Ehe Aktivisten geben nun zu bedenken, dass wir mit der Angleichung das verlieren könnten, was uns ausmacht und zugleich einzigartig. Ein interessanter Punkt, über den man sich im Klaren sein sollte.

Es war ein historischer Tag, als in den USA die Homo-Ehe legalisiert wurde. Lange wurde gekämpft und dieser gemeinsame Kampf ist sicherlich auch einer der vielen gemeinsamen Nenner, die die LGBT-Menschen untereinander haben. Die New York Times veröffentlichte nun hierzu einen Artikel, in dem die Freude etwas getrübt oder zumindest auf die Nebenwirkungen hingewiesen werden soll. „Was haben schwule Männer gemeinsam, wenn es nicht die Unterdrückung ist?“, so äußerte sich Andrew Sullivan in der New York Times dazu. Der Ansatz ist gar nicht so verkehrt, muss man feststellen. Denn je mehr Gleichstellung wir erfahren, umso weniger unterscheiden wir uns von den Menschen, die nicht zu unserer Community gehören. So zumindest Sullivan, in seiner Anmerkung.

Der Autor des Buches „Making Gay History“, Eric Marcus, unterstützt diese These: „Die Menschen verlieren eine gewisse Art der Gemeinschaft, eine Art des Teilens. Es ist etwas wundervolles daran, Teil einer unterdrückten Gemeinschaft zu sein“. Dabei ist es kein Zufall, dass sich diese Ansichten nostalgisch anhören. Die schwulen Männer, die die 80er und 90er miterlebt haben, haben die wichtigsten Etappen mitgeprägt und erlebt. Unter anderem auch die AIDS-Kriese oder die Abschaffung vieler Gesetze, die homosexuelle Handlungen vor Jahren noch unter Strafe stellten. Es gab in einer Zeit, weit vor Grindr und GayRomeo, eine Szene, die man nur erleben und mitgestalten konnte, wenn man aktiv daran teilgenommen hat. Diese Menschen haben einen ganz anderen Kampf für gleiche Rechte erlebt und somit auch einen ganz anderen Bezug zu „ihrer“ Szene, als die jungen schwulen Männer von heute, die von den Früchten dieser Siege profitieren.

Doch auch heute muss die ganze LGBT-Community weiter kämpfen. Es gibt noch viel zu tun. Paradoxerweise darf man in allen 50 Staaten der USA nun heiraten, doch man kann in einigen Staaten genau deswegen seinen Job verlieren. Nämlich, weil man schwul, lesbisch, trans o.ä. ist. Und das Ganze ohne jegliche Kündigungsgrund. Eines von vielen Beispielen. Es ist also noch lange nicht alles erreicht und dennoch muss man auf dem Weg in den Kampf fragen, wofür man kämpft und was man alles verliert, wenn man doch so viel gewinnt? Viele der Menschen, die seit Jahren oder Jahrzehnten kämpfen, fragen sich, was von einer Kultur, die davon lebt anders zu sein, noch bleibt, wenn sie gleich ist? 

Ich kann verstehen, dass viele Angst haben, etwas zu verlieren, wofür sie lange eingestanden haben. Für viele ist die Community eine zweite Familie und für viele ist es auch ein Medium, um die eigene Identität zu definieren. Doch ich denke, dass wir gleich und anders zugleich sein können. Ich finde, der schwule Mann ist so viel mehr, als nur ein Katalog an Rechten und Pflichten. Selbst, wenn wir eines Tages rechtlich, wirtschaftlich und ethisch gleichgestellt sind, haben wir eine Kultur geschaffen, die ganz eigen ist und an deren Einzigartigkeit auch die Menschen ausserhalb unserer Community ihre Faszination finden. Der Unterschied, der uns und unsere Geschichte prägt, ist eben der, dass wir für die Gleichheit gekämpft haben. Unser Kampf ist eine Historie, auf die wir stolz sein können und die wir all denen zu verdanken haben, die uns das vor unserer Zeit ermöglicht haben und uns dahin gebracht haben, wo wir heute sind und in Zukunft noch sein werden. 

Titelbild: Ted Eytan – CC 2.0 – on Flickr – no changes were made

Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!

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