OK, vorweg muss ich sagen, dass ich nie bei Grindr angemeldet war. Als ich vor ca. sechs Jahren meinen Freund kennenlernte und mit ihm zusammenkam, war Gay Romeo das Ding. Nach einiger Zeit haben wir beide unsere Profile bei Gay Romeo gelöscht, weil wir es einfach nicht mehr genutzt haben. Kurze Zeit später, feierte die Dating-App Grindr ihren Siegeszug auf den Smartphones meiner schwulen Single-Freunde und die App brachte ein tolles Feature mit sich, wovon zunächst keiner wusste: Frust! 

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Grindr ist eine Dating-App die genau Anzeigt, wo welcher User in deiner Umgebung ist. Man kann Chatten und man kann viele Details über seine Person angeben, wie bei der Website Gay Romeo auch. Körpergröße, Haarfarbe, Penislänge und sexuelle Vorlieben, um nur einige Angabemöglichkeiten aufzuzählen. Kurz gesagt: „Willst du Ficken?“. In einer Zeit, in der es zu anstrengend ist, reale Menschen in einer Bar oder auf einer Party zum Ficken aufzugabeln, trifft diese App den Nerv unserer Generation. Der Sex ist schnell verfügbar und deswegen funktioniert Grindr. Hört sich eigentlich nach dem Himmel auf Erden an und da dürfte es eigentlich keinen Platz für Frust geben. Doch! Denn wenn man sich nichts mehr wünschen, als einen Partner fürs Leben zu finden, raubt einem die Welt der Dating-Apps die letzte Hoffnung auf einen existierenden Traumprinzen. Das scheinen so langsam auch die letzten verzweifelten Liebeszombies begriffen zu haben.

In letzter Zeit erzählten mir immer mehr Freunde, dass sie sich endlich bei Grindr abgemeldet haben. Es viel jedem Einzelnen schwer. Klar. Immerhin verabschiedet man sich vom Sex auf Knopfdruck und es macht doch wirklich auch Spaß, immer wieder alle Profile in der Umgebung abzugrasen. Es ist aufregend, wenn man das kurze Abenteuer sucht, doch es ist die Hölle, wenn man einen Mann fürs Leben kennenlernen will. Mit einem lächelnden und einem weinenden Auge wird das Monster also nun vom Smartphone beseitigt und gelöscht. Glückwunsch! Ob damit auch der Frust verschwindet, sehen wir in den kommenden Monaten. 

Welches Kind knabbert schon mühselig den Schokomantel ab, wenn es gleich in die Eiscreme beißen kann?

Das Coole an Grindr ist doch eigentlich, dass man das Unnötige überspringen kann. Alle Infos, die für Sex wichtig sind, stehen ja schon in der Beschreibung des jeweiligen Profils. Wozu an der Bar sitzen, teure Cocktails bestellen, stundenlang reden bis es endlich zum Showdown im Bett kommt? Diese Tatsache versaut einem auch die Möglichkeit, einen Menschen richtig kennenzulernen und etwas mehr in die Person zu investieren, weil man denkt, sie könnte etwas Besonderes sein. Welches Kind knabbert schon mühselig den Schokomantel ab, wenn es gleich in die Eiscreme beißen kann? Ok, ich war so einer und auch heute noch muss ich mein Magnum Eis ganz penibel entkleiden, bevor ich über die nackte Eiscreme herfalle, aber ich war auch schon immer ein Beziehungstyp und wenn ich Single war, suchte ich einen Partner. Wo also nun nach Mr. Right suchen? 

Das eigentlich Erstaunliche ist, dass die Meisten, von nun an grindrlosen Freund, ihr Glück bei Facebook versuchen und damit erfolgreicher sind als bei Grindr. Ja klar, das geht. Hier trifft man sich nämlich auf einem neutraleren Boden. Nicht jeder Facebook-Nutzer ist zunächst schwul, was bei Grindr ja eigentlich die Grundvoraussetzung ist. Hier fehlen auch schonmal die intimen Angaben, die für ein Sex-Date interessant sein könnten. Weder Schwanzgröße, Körpergröße, ob aktiv oder passiv stehen hier in einer Übersicht zur Verfügung. Das höchste der Gefühle, sind oben-ohne Bildern, wenn du Glück hast. Mehr nicht. Stattdessen, kannst du aber (je nach Profil) sehen, wo derjenige zur Schule gegangen ist, wo er arbeitet, vielleicht verraten seine Bilder paar Hobbies, vielleicht hat er einen politischen Artikel aus der Welt geteilt oder das neue Pharrell Williams Video gepostet, dass du so magst. Ja, ich glaube daran, dass es funktionieren kann und Facebook eine ganz andere Herangehensweise ermöglicht. Man sollte nur vorab irgendwie anhand der Freundeskette oder der Vorlieben vorfühlen, ob die Person auch eventuell schwul ist. Sonst kann es unangenehm werden. Oder einfach mal Anstupsen. Oder ist das, das neue „Willst du Ficken“ auf Facebook? 

Natürlich sind auch aus Grindr schon Liebespaare hervorgegangen. Ausnahmen gibt es immer. Doch wer Grindr oder ähnliche Dating-Apps satt hat, hat auf Facebook nicht viel zu verlieren. In meinem Umfeld hat es des Öfteren geklappt und das gibt doch Hoffnung, es selbst mal auszuprobieren. Tue es einfach, jetzt!

Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!