Sie ist plötzlich da! Eine Sache, für die so viele von uns so lange gekämpft haben. Eine Sache, über die wir uns so sehr aufgeregt und die uns so beschäftigt hat. Eine Sache, die uns rechtlich deutlich machte, dass wir doch anders sind, als alle anderen Bürger in diesem Land und eben nicht die gleichen Rechte genießen. Nun ist sie da: Die Ehe für alle in Deutschland! Doch wie fühlt sich dieser historische Tag für einen schwulen Mann wie mich an und wieso ist die Ehe für alle auch für die wichtig, die gar nicht heiraten wollen? 

Auf Hollywood Tramp habe ich mit euch viele Länder begleitet, die die Ehe für alle nach und nach eingeführt haben. Ihr habt die Postings mit vielen Likes und Kommentaren belohnt und den größten Schritt hatte sicherlich die USA mit der Öffnung der Ehe in allen 50. Staaten 2015 gemacht. Feierstimmung! Heute am 30.06.2017 ist nun Deutschland endlich dran. Diesen Tag haben wir uns so lange gewünscht und plötzlich ist er da. Ja, es ging schnell. Viel schneller, als wir es alle vermutlich erwartet haben. Und plötzlich ist er da. Eigentlich ganz unspektakulär. Die Sonne scheint nicht (ganz im Gegenteil, es regnet in den größten Teilen Deutschlands), es laufen nicht alle auf die Strasse, wie zur Fussball WM oder dem ESC Sieg von Lena. Nein, es ist ein grauer und recht ruhiger Tag. Aber ein sehr entscheidender! Zumindest in Berlin gab es eine große Demo zur Ehe für alle mit vielen Teilnehmern. Und das trotz Regen! 

Merkel stimmt mit Nein

An diesem Vormittag wurde über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare entschieden. Zur Abstimmung stand ein gemeinsamer Entwurf der SPD, Grünen und Linke zu einer Ehe für alle. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagt: „Ich freue mich, dass es heute zu einer Entscheidung kommt“. Und fügt weiter hinzu: „Dass wir heute darüber entscheiden, ist vielleicht nicht gut für die Koalition, aber es ist gut für die Menschen.“ Bei 623 abgegebenen Stimmen sprach sich eine Mehrheit von 393 Abgeordneten für eine rechtliche Gleichstellung aus. 226 stimmten gegen die Ehe für alle, vier enthielten sich. Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmte mit Nein: „Es war eine lange, intensive, für viele auch emotional sehr berührende Diskussion – das gilt auch für mich ganz persönlich.“ 

Es geht nicht nur um die Ehe und Adoption

Die Ehe für alle ist aus mehreren Gründe ein wichtiger Schritt. Rein praktisch dürfen nun gleichgeschlechtliche Paare künftig genauso heiraten und Kinder adoptieren wie ein Paar von Mann und Frau. Eine historische Entscheidung. Doch es geht nicht nur um die Ehe und die Adoption. Es geht darum, dass LGBTQ-Menschen gleichgestellt sind. Es ist ein wichtiger Schritt, um zu zeigen, dass es keinen Unterschied gibt und das es auch rechtlich eine Gleichstellung gibt. Vor dem Gesetzt sind wir alle gleich und das sollte jede Grundlage für Diskriminierung nehmen. Es geht auch nicht darum, ob die Kanzlerin dafür oder dagegen gestimmt hat. Es muss nicht jeder die Ehe für alle wollen, aber jeder sollte sie akzeptieren. Ich möchte Merkel zugute halten, dass sie ihrem Standpunkt treu bleibt, was sehr wichtig für eine Kanzlerin ist, denn sie sollte sich beständig und gefestigt in ihrer Meinung zeigen. Wichtig ist aber vor allem, dass sie dennoch, trotz ihrer Ansicht zur Ehe, die heutige Entscheidung möglich gemacht hat.

Es ist ein historischer Tag. Wenn auch ein leiser. Viel leiser, als ich es mir immer vorgestellt habe. Aber es ist auch mit dem heutigen Tag nicht getan. Es ist lediglich der entscheidende Schritt. Diese Entscheidung wird ihre Früchte erst in Jahren und Jahrzehnten tragen. Wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten und kinder Adoptieren. Wenn es alle Formen der Familie in unserem Land gibt und das Thema einfach kein Thema mehr, sondern Alltag ist. 

Bild: Hollywood Tramp

 

Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!