Am 19.11.2015 kommt der Roland Emmerich Film „Stonewall“ auch bei uns in Deutschland in die Kinos. Der Film basiert auf dem Aufstand der LGBT-Community in der Christopher Street 1969 in New York. Noch vor dem Kinostart in den USA wurde der Film durch den Dreck gezogen und somit kann man eigentlich nur mit falschen Erwartungen ins Kino gehen. 

" STONEWALL " Photo by Philippe Bosse

STONEWALL – Photo by Philippe Bosse

Erst hieß es, Roland Emmerich hätte die Charaktere „weiß gewaschen“. Tatsächlich seien viel mehr farbige Menschen in den Unruhen involviert gewesen, als der Film zeigt. Dann widerum hieß es, der Hauptcharakter des Film, nämlich der fiktiver Charakter des Danny Winters (Jeremy Irvine), der am Abend des 27. Juni 1969 in der Christopher Street in die Unruhen verwickelt wird, sei zu heterolike.

Nun zu den Vorwürfen gibt es zwei Dinge zu sagen: Die Situation der Rollen für farbige Schauspieler spielt in der ganzen Filmwelt eine Rolle. Schwarze bekommen nur schwarze Rollen. Das ist ein grundliegendes Problem. Aktuellstes Beispiel, zwar für TV-Formate aber dennoch auch für den Film relevant, ist Viola Davis, die für ihre Rolle in „How to Get Away with Murder” als erste farbige Hauptdarstellerin in einer Dramaserie einen Emmy gewann. Bei ihrer Dankesrede machte sie auf das Problem aufmerksam: „Das Einzige, was farbige Frauen von allen anderen unterscheidet, sind Gelegenheiten. Man kann keinen Emmy für Rollen gewinnen, die es schlichtweg nicht gibt.” Auch bei den Oscars wird immer wieder kritisiert, dass Hollywood und die großen Filmproduktionen kaum Hauptrollen an farbige Schauspieler vergeben, es sei denn, es geht um Inhalte, die sich explizit auf afroamerikanische Themen beziehen.

" STONEWALL " Photo by Philippe Bosse

“ STONEWALL “ – Photo by Philippe Bosse

Zu dem zweiten Punkt über den „Straight Acting“ Hauptdarsteller, sei gesagt, dass wohl niemals jemand den richtigen Ton treffen wird. Ist der Darsteller zu feminin, heißt es, es gebe ein falsches Bild vom schwulen Mann ab. Ist der Hauptdarsteller kaum zu unterscheiden, bis auf die Tatsache, dass er mit Männern ins Bett geht, heißt es, er wäre zu heterolike. Dass alle Charaktere um den Hauptdarsteller in Stonewall total überzeichnet sind und er dadurch umso mehr „hetero“ wirkt, scheint keinen zu stören. Nach all dieser Kritik, kann man den Film, als schwuler Mann, der die Stonewall-Geschichte kennt, nur voreingenommen ansehen. Doch das braucht man nicht, denn der Stonewall-Film ist vor allem eines: Nicht für den schwulen Mann. 

Die Story an sich ist schnell erzählt und auch der Film rast von Ereignis zu Ereignis. Danny Winters lebt auf einem Dorf. Es kommt raus, dass er schwul ist und somit wird er von seinen Eltern vor die Tür gesetzt. Danny flüchtet nach New York und lebt ein neues, aufregendes und vor allem schwules Leben und erlebt später den ersten offiziellen Gay-Pride-Marsch von 1970. Die Geschichte wurde rund um die Stonewall-Unruhen geschrieben und endet natürlich – Achtung: Überraschung – mit einem heldenhaften „Happy End“. Tatsache ist, dass der Stonewall-Film ein Roland Emmerich Streifen ist und keine Indie-Produktion. Das vergessen viele Kritiker. Emmerich macht „Feelgood-Filme“ für die ganze Familie und die breiteste aller Massen. Stonewall und das Thema „Homosexualität“ muss in dieses Konstrukt eingepasst werden, damit es jedem zugänglich ist und dadrunter leidet dann oft der Bezug zur Realität. Charaktere sind überzogen, Helden zu heldenhaft und schwule zu schwul oder eben zu unschwul. Aber das kann hier egal sein. Denn der Film richtet sich eben nicht an diejenigen die es selber leben und wissen wie es ist. Der Film ist vor allem für die Menschen, die weiterhin ihre Augen verschließen und Hass gegen LGBT-Menschen schüren. Der Film ist für das konservative weiße Amerika, das die Öffnung der Ehe nicht verkraftet. Der Film soll nicht die Welt verbessern (das hat kein Emmerich Film bisher getan), sondern Unterhalten und über diesen Weg das ein oder andere Auge öffnen. Wenn dadurch auch nur ein kleiner Prozentsatz von Menschen ins Kino geht, die sonst nichts mit dem Thema zu tun haben oder sich Schulklassen den Film angucken, hat dieser Film schon beachtlich mehr beigetragen als schwule Liebesgeschichten wie „Brokeback Mountain“.

Stonewall trifft vielleicht nicht den Ton, wenn man aus der Szene kommt und selber schwul ist, doch es ist ein Film mit Herz und ein Film, der seine Geschichte und damit auch unsere ehrlich erzählt. Der Stonewall-Film hat eine reale Chance verdient. Jeder homosexuelle Zuschauer wird die Schwächen und Stärken des Filmes schnell erkennen. Ein Tänzer sieht einen Tanzfilm auch mit ganz anderen Augen, als ein Kinobesucher, der mit Tanzen nichts am Hut hat. Wir wollen nicht mit dem Finger auf kleine Schönheitsfehler zeigen. Wir wollen nicht auf hohem Niveau meckern und wir wollen dem Film nicht die Möglichkeit nehmen, eventuell den einen oder anderen Menschen zum Nachdenken zu bringen oder gar dessen Sichtweise über homosexuelle Menschen zum Positiven zu verändern.  

Bilder: Warner Bros. Germany

Auf Hollywood Tramp kommentiert DJ Berry E. LGBT-Themen, Lifestyle, Musik, Kultur und kreiert damit eine Mischung aus Magazin und persönlichem Blog aus der Szene, für die Szene!
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